die zeit: Warum ist es für uns eigentlich so wichtig, die Entstehung des Menschen, seine Evolution zu erforschen?

Phillip Tobias: Nun, es gibt dafür einen elementaren Antrieb: Neugier, das Verlangen herauszufinden, woher wir kommen, wann und wie wir auf diesem Planeten auftauchten. Menschen sind die neugierigsten aller Kreaturen. Und ausgestattet mit Sprache, sind sie fähig, solche Fragen zu stellen wie: Daddy, woher komme ich eigentlich?

zeit: Geht es nur um reine Erkenntnis?

Tobias: Es gibt noch andere Gründe. Die Erforschung der menschlichen Evolution hat auch das Wechselspiel zwischen Biologie und Kultur beleuchtet.

Denn unsere Evolutionsgeschichte unterscheidet sich von der aller Tiere darin, dass eine wesentliche Komponente auf Kultur basiert. Die Entwicklung der Menschheit wird seit 2,5 Millionen Jahren sowohl durch biologische Mechanismen geprägt, abhängig von Genen und Genmutationen, als auch von kulturellen. An einem kalten Tag wie heute können wir einen Mantel anziehen und müssen nicht herumsitzen und warten, bis uns die richtige Mutation einen Pelz wachsen lässt wie beim Wollnashorn.

zeit: Was nützen uns solche Einsichten?

Tobias: Wenn man versteht, wie sich Menschlichkeit und Kultur entwickelt und über die Welt verbreitet haben, lösen sich viele Missverständnisse über Rasse und Kultur im 20. Jahrhundert auf. Für mich persönlich gibt es noch ein sehr starkes Motiv: Die Geschehnisse der vergangenen Jahrmillionen zeichnen Wege, die zur Gegenwart führen und die sich in die Zukunft fortschreiben lassen.