Was eint die Nation vor dem Bildschirm? Wann weint sie, wann lacht sie gemeinsam? Eigentlich nie mehr. Alter und soziale Schicht entscheiden zunehmend, wie der Einzelne fernsieht.

Am 25. 12. wird es 50 Jahre her sein, dass Werner Pleister über den Äther meldete: "Wir, die Fernsehabteilung des NWDR, haben uns seit Monaten darauf vorbereitet, Sie ab heute mit einem täglichen Fernsehprogramm zu erfreuen."

Damals gab es nur dieses eine Bild.

Heute sind es 30, 40 oder 100 Bilder. Wenn trotzdem ab und an der Schein kollektiven Erlebens entsteht, dann durch Nachrichtensendungen wie die Tagesschau (ARD) und heute (ZDF), die Tatort-Krimis (ARD), die Sendungen am Abend einer Bundestagswahl oder die Spiele der Deutschen bei einer Fußballweltmeisterschaft (ARD und ZDF).

Wer das bedenkt und für einen Moment die Fußballbundesliga (Sat.1) oder Peter Kloeppels Sternstunden (RTL) außer Acht lässt, wird zu dem Schluss kommen, dass alles Wesentliche bei den Öffentlich-Rechtlichen zu sehen ist. Wie in der telemedialen Steinzeit. So lässt sich ein 50-Jahre-Jubiläum feiern.

Kurz nach der Feier werden die Intendanten von ARD und ZDF allerdings ihre Hand aufhalten, denn die nächste Gebührenerhöhung steht an. Und? Ist sie nicht verdient? Böte sie nicht sogar die Chance, die Privaten endgültig abzuhängen?

Seit es private Sender gibt, also seit achtzehn Jahren, standen die Öffentlich-Rechtlichen nie so unangefochten da wie heute. Sie haben sich behauptet, was die stabilen Quoten belegen. Gleichzeitig schwächelt die private Konkurrenz, die mit sinkenden Werbeeinnahmen kämpft - bis November minus 5,1 Prozent - und infolgedessen weniger eigene Formate produziert, die auch noch billiger sein müssen als zuvor. An manchen Tagen besteht das private Programm schon stundenlang aus: Ich weiß etwas, was du nicht weißt.