Wenn alles gut geht, machen sie zweimal im Jahr Schlagzeilen, die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute der Republik. Jeweils im Frühjahr und im Herbst veröffentlichen sie gemeinsam ein Gutachten über die "Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft". Vor allem die darin enthaltene Wachstumsprognose stößt auf ein großes Echo. Daneben versucht jedes der Institute, sich auf seinem speziellen Terrain zu profilieren. Aber Schlagzeilen? Die sind den Wissenschaftlern eher suspekt, auch wenn sie durchaus Wert darauf legen, von der Öffentlichkeit ernst genommen zu werden.

Das ist umso wichtiger, als die Institute einen Großteil ihres Budgets aus Drittmitteln (also Forschungsaufträgen und Gutachten) finanzieren müssen und auf diesem Markt reger Wettbewerb herrscht. Prestige ist dabei ein Schlüssel zum Erfolg.

Da wirkte es wie eine kalte Dusche, als Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement das Herbstgutachten vom Oktober mit dem Satz kommentierte: "Ich bin nicht sicher, ob die Gutachter eigentlich wissen, worüber sie genau reden." Die hatten es gewagt, Zweifel an den Hartz-Plänen zu äußern und die Politik der Bundesregierung zu bekritteln. Eine Reaktion auf Clements Rundumschlag versagten sich die Betroffenen, aber die Irritation war enorm.

Bis zum Eklat durften die Institute davon ausgehen, dass ihr Rat sehr geschätzt ist

schließlich ließ sich die Bundesregierung die Arbeit der sechs Institute im abgelaufenen Jahr 22,7 Millionen Euro kosten. Und gerade um die Zuständigkeit für die Institute und ihre Gutachten hatten Wirtschafts- und Finanzministerium vier Jahre lang gestritten. Nachdem Finanzminister Oskar Lafontaine die Kompetenz seinem Kollegen Werner Müller vom Wirtschaftsressort weggenommen hatte, schaffte es Müller nicht, die Zuständigkeit zurückzuholen.

Clement machte dann die Rückkehr zu einer Bedingung für die Müller-Nachfolge, erhielt Satisfaktion - und beschuldigte die Umworbenen prompt der Inkompetenz. Eine Erklärung für seinen Unmut gab Clement nicht.

Der erste Kandidat sagt ab