Noch ist Polen nicht verloren. Zwar tut sich der Staat schwer, seine sechs Millionen Kühe pünktlich zum EU-Beitritt 2004 mit den erforderlichen Ohrmarken zu versehen. Zwar hat auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung jüngst Polen als eines der korruptesten postkommunistischen Länder gescholten, weshalb sich niemand über ausbleibende Investitionen wundern solle.

Doch gemach! Hilfe kommt jetzt aus den USA. 48 F-16-Jäger, für deren Ankauf sich Warschau entschieden hat, sollen wie ein Kometenschweif amerikanische Investitionen nach sich ziehen. So hat es der gute Werbeonkel George W. Bush versprochen, der beim Endspurt der Lobbyisten seine Polen immerfort als "treueste Verbündete in Mitteleuropa" rühmte. Und deshalb ist das neue Wunder an der Weichsel schnöde an der französischen Mirage und der schwedisch-britischen Gripen vorbeigegangen. Nicht die Firmen aus der EU, sondern die Lockheed-Werke erhielten den derzeit größten Rüstungsauftrag in Europa. Für 3,5 Milliarden Dollar. Gripen wollte seine Jas-39 für nur 3,15 Milliarden liefern.

Aber eben, die Investitionen! Was können Franzosen, Briten, Schweden schon anbieten? Durch das Rüstungsgeschäft, so Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski, würden auch die politischen und militärischen Beziehungen Polens zu den USA gestärkt. Um diese Stärkung geht es. Nicht nur den Polen, sondern allen östlichen EU-Kandidaten. "Es wäre ungerecht zu behaupten", sinnierte kürzlich Polens Staatspräsident Alexander Kwasniewski, "dass wir die trojanischen Pferde der USA in der Europäischen Union sind." Warum gleich Troja! Europa wird auch von den künftigen EU-Mitgliedern noch als brauchbar angesehen. Vor allem als Atlantikbrücke zu Amerika.