Peking

Selten wirken Neujahrsansprachen erlösend. Colin Powells Worte aber hatten diesen Effekt. "Wir haben Wege, um mit den Nordkoreanern zu kommunizieren.

Die Kanäle stehen offen", versicherte der amerikanische Außenminister zum Jahreswechsel. Das reichte, um das über Weihnachten plötzlich aufgetauchte Gespenst eines zweiten Koreakrieges jedenfalls vorerst wieder zu vertreiben.

Denn solange Washington und Pjöngjang ihre Dialogoption offen halten, droht auf der koreanischen Halbinsel kein militärischer Konflikt.

Das Signal zur Deeskalation kam gerade noch rechtzeitig, um den Menschen in Ostasien zu Neujahr Visionen eines neuen Hiroshima zu ersparen. In Seoul, Tokyo und Peking warteten alle auf das Zeichen aus Washington, nachdem der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als Erster die Perspektive eines Zweifrontenkrieges gegen den Irak und Nordkorea eröffnet hatte. "Wir sind in der Lage, zwei große regionale Konflikte gleichzeitig auszutragen. Daran soll kein Zweifel bestehen", wetterte Rumsfeld vergangene Woche. Wobei sein Ärger durchaus nachvollziehbar war.

Eskalation der Provokation

Nordkorea, eines der Länder auf George W. Bushs "Achse des Bösen", hat mit seiner Atompolitik Amerika zur Unzeit herausgefordert. Wohl wissend, dass die Irak-Frage in den USA noch für längere Zeit Priorität genießt, räumte Pjöngjang schon im Oktober die Existenz eines geheimen Urananreicherungsprogramms ein. Mitte Dezember folgte die Ankündigung, das seit 1994 eingefrorene zivile Atomprogramm werde wieder aufgenommen.