Es ist ein einmaliger Vorgang. Ein geltungskranker Mediziner und eine Gruppe religiös Verwirrter halten über Wochen die Welt in Atem - mit Meldungen, von denen niemand weiß, ob sie stimmen. Die Reaktion auf die vom italienischen Babymacher Severino Antinori und von der Ufo-Sekte lancierten Berichte über das erste Klonkind machen zweierlei deutlich: Zum einen zeigt sich erneut, wie schnell die Dynamik auf dem Gebiet der Fortpflanzungstechnik das Denken verändert. Vor zwei Jahren noch wäre die Nachricht "Raelianer verkünden erstes Klonbaby" kaum über die vermischten Seiten der Zeitungen hinausgekommen. Die Behauptung hätte so unglaublich geklungen, dass sich kaum jemand bequemt hätte, sie zu kommentieren. Heute hält niemand mehr den Tabubruch für undenkbar. Die Technik, das genetische Ebenbild eines Menschen zu schaffen, ist (wenn auch unausgereift) vorhanden - die Skrupellosigkeit sie anzuwenden ebenfalls.

Zum anderen wird deutlich, wie die Politik dem biomedizinischen Fortschritt hinterherhinkt. Im November scheiterte der Versuch der Vereinten Nationen, die Menschenkopiererei weltweit zu verbieten. Während Länder wie die USA jedes Klonen vereiteln wollten, plädierten andere Nationen dafür, das so genannte therapeutische Klonen, die Technik zur Gewebezucht also, zu gestatten. Im kommenden September will man neu beraten.

Die Weihnachtsmeldung macht deutlich, dass der Weltgemeinschaft so viel Zeit nicht bleibt. Jahrelange Verhandlungen mögen bei der Einsetzung eines Strafgerichtshofs am Ende zu einer halbwegs befriedigenden Lösung führen. Auf dem Gebiet der Biopolitik kann man sich derartige Geduld nicht leisten.

Wissenschaft schafft täglich Fakten.

Vernünftig ist der deutsch-französische Kompromissvorschlag, in einem ersten Schritt das Klonen kompletter Menschen zu ächten und über weitere Einschränkungen später zu verhandeln. Am Ende sollte jedoch ein umfassendes Verbot stehen. Denn das so genannte heilende Klonen wird den Raelisten dieser Welt als Experimentierfeld dienen und der reproduktiven Spielart am Ende doch noch den Durchbruch ermöglichen.

Gelingt keine Einigung, droht weit Schlimmeres als die Tatsache, dass irgendwann ein paar hundert bedauernswerte Klone die Erde bevölkern. Der Wunsch, ein genetisch identisches Lebewesen zu erschaffen, wird nicht viele Menschen umtreiben. Schon heute bietet die Fortpflanzungsmedizin weit einfachere und erfolgversprechendere Techniken an, um einem unfruchtbaren Paar zu einem Kind zu verhelfen. Insofern ist die Menschenkopiererei nicht nur ethisch verwerflich, sondern medizinisch überflüssig.

Das Klonen ebnet jedoch den Weg zum eigentlichen Traumziel aller Menschenbastler, zu einem Ziel, das von weitaus mehr Menschen geteilt wird: zum Eingriff ins menschliche Erbgut. Aus heutiger Sicht sei eine genetische Verbesserung des Homo sapiens völlig unmöglich, sagen Wissenschaftler. Doch wir wissen, was von solchen Beschwörungen zu halten ist.