Jeder, der die Gentechnik ablehnt, muss sich mit dem Vorwurf auseinander setzen, unheilbar Kranken die Heilung zu verweigern

und was als Krankheit gilt, wird sich nach den Möglichkeiten der Gentechnik richten. Morgen wird es Parkinson sein, übermorgen vielleicht schon Kurzsichtigkeit oder Unsportlichkeit. Die Nachricht der Raelisten hat deutlich die schiefe Ebene gezeigt, auf der die neue Medizin von der Heilung zur Klonierung und schließlich zur Genoptimierung von Menschen gelangen kann. Vor der Unausweichlichkeit solchen Fortschritts könnte nur die Einsicht bewahren, dass es Therapien gibt, deren Folgen für die Menschheit womöglich schlimmer sind als die Leiden, denen sie abhelfen sollen.

Schlimme Krankheiten zu heilen ist ein hehres Ziel. Aber schon der Versuch, sie gar nicht erst entstehen zu lassen und etwa mithilfe der Präimplantationsdiagnostik (PID) schlechte von guten Embryonen zu trennen, würde heißen, dass sich der Mensch eine Schöpferrolle anmaßt, der er nicht gewachsen ist. Respekt vor der Unantastbarkeit und Heiligkeit des Lebens bedeutet vor allem Einsicht in die Begrenztheit der menschlichen Vernunft.