Niemand hat die Absicht, die Hand nach Kirkuk auszustrecken. So hieß der politisch korrekte Glaubenssatz der Türkei. Dort, im Nordirak, liegt zwar Erdöl dicht unterm Grund, viel Erdöl. Aber in Ankara nahm ein jeder Regierungspolitiker für sich in Anspruch, der schwarzen Versuchung zu widerstehen. Welcher Tor wollte schon an der territorialen Integrität des Irak rütteln?

Bis zum vorigen Wochenende. Da schöpfte Außenminister Yasar Yakis im Brunnen der Vergangenheit und förderte alte Verträge zutage. Man wird ja wohl noch mal prüfen dürfen, so der mit dem Nahen Osten wohl vertraute Minister, ob sich nicht aus dem türkischen Verzicht auf die Provinzen Kirkuk und Mossul anno 1926 doch noch ein Anspruch herausdestillieren ließe. Gab es nicht damals einen türkischen Zehn-Prozent-Anteil am irakischen Öl, für den das Land mit lächerlichen 500 000 Pfund Sterling abgefunden wurde? War das genug?

Einige türkische Zeitungen drucken nun Karten. Das Osmanische Reich, immerhin, erstreckte sich dermaleinst von Stambul nach Kairo, von Basra nach Tripolis. Etwas bleich gab Premier Abdullah Gül, gerade auf einer Reise durch arabische Staaten, zu Protokoll, dass irakisches Öl allein dem irakischen Volk gehöre.

Minister Yakis könnte beim Wühlen im Archiv bald den Posten verlieren. Dabei hat er nur gewagt zu sagen, was Amerikaner, Türken und auch Araber in dieser Krieg-in-Sicht-Phase tun. Sie studieren alte Karten und Verträge für die Neuordnung des Irak. Wobei natürlich niemand die Absicht hat, an sich selbst zu denken.