Nachrichten aus Lateinamerika sind zunehmend Krisenberichte: Chaos in Venezuela, blutiger Konflikt in Kolumbien, ökonomisches Debakel in Argentinien. Aus diesem Szenario ragt nur die Andenrepublik Chile als stabiler Faktor heraus. Das Land, das noch lange mit dem Namen des Putschgenerals und Diktators Augusto Pinochet verbunden bleiben wird, hat sich wirtschaftlich stabilisiert und normalisiert sich politisch.
Woran könnte man das deutlicher sehen als daran, dass das Verteidigungsressort seit genau einem Jahr von einer Frau geführt wird, Michelle Bachelet, die obendrein auch noch eine engagierte Sozialistin ist? Erstmals seit dem Putsch des 11. September 1973 unterstehen Chiles Streitkräfte damit einem Mitglied der Partei des damals gestürzten und ermordeten Präsidenten Salvador Allende. Und alle tun so, als sei das völlig normal. Doch in Wahrheit ist es immer noch eine Sensation.