Kein anderes europäisches Land gibt pro Einwohner so viel Geld für die Gesundheit aus wie die Schweiz. Mehr als ein Zehntel der wirtschaftlichen Leistung fließt in den Kreislauf von Krankenkassen, Arztpraxen, Spitälern und Behörden.

In ihrem System setzen die Eidgenossen in hohem Maß auf Eigenverantwortung: Der Schweizer ist nachgerade gesetzlich zum Individualismus verpflichtet. Der Arbeitgeber zahlt nur in die Unfallversicherung, für die Grundvorsorge muss jeder Bürger selbst aufkommen.

Grundsätzlich werden alle Erwachsenen gleich zur Kasse gebeten, allerdings schwanken die Kopfprämien je nach Krankenkasse und Region. Im urbanen Kanton Genf bezahlt ein Erwachsener 389 Franken im Durchschnitt pro Monat, sein Landsmann im ländlichen Kanton Appenzell-Inerrhoden kommt mit 173 Franken davon. Die Visite beim Zahnarzt wird von der Grundversorgung nicht abgedeckt.

"Die Kosten sind transparenter als in Deutschland, da jedes Mitglied einer Kasse in der gleichen Region die gleiche Kopfprämie zahlt", sagt Michael Breuer, Gesundheitsökonom an der Uni Zürich.

Weil das moderne Schweizer Gesundheitssystem mit den bescheidenen Prämien allein aber nicht überleben würde, müssen die Eidgenossen für jede Behandlung noch einmal in die Tasche greifen. Dabei kann jeder Patient entscheiden, welchen Anteil der Kosten er pro Jahr übernehmen will, die Spanne reicht von 400 bis 1500 Franken. Es gilt die Faustregel: Je höher der Selbstbehalt, desto geringer fällt die Jahresprämie aus.

Vielen deutschen Experten gilt die Schweiz als gesundheitspolitisches Vorbild. Doch Schwierigkeiten gibt es auch dort. Allein im Jahr 2001 summierte sich der Betriebsverlust der Krankenkassen auf fast 800 Millionen Franken. Bei einigen der großen Versicherer liegen die Reserven jetzt unter den gesetzlichen Vorgaben. Die Folge: In diesem Jahr schnellen die Prämien um rund zehn Prozent nach oben.

Verdruss bereitet den Patienten auch, dass sie lange auf ihr Geld warten müssen: Viele Ärzte schicken die Rechnung direkt an den Versicherten, der muss sich das Geld dann von seiner Kasse zurückholen. Und Versicherer lassen sich gern Zeit mit der Erstattung.