die zeit: Herr Oberbürgermeister, die öffentlichen Arbeitgeber lehnen den Schlichterspruch als "zu gewerkschaftsnah" ab. Die vorgeschlagenen Tariferhöhungen für Staatsbedienstete seien nicht finanzierbar. Was sagen Sie?

Gerhard Grandke: Der öffentliche Dienst darf sich nicht von den Tarifanhebungen in der Privatwirtschaft abkoppeln, einen Abschlag für die größere Arbeitsplatzsicherheit eingerechnet. Wenn man gute Arbeitskräfte gewinnen will, darf man nicht den Anschluss an das verlieren, was in der Wirtschaft gezahlt wird. Wir in Offenbach haben in den Etat für 2003 ein Plus von 2,5 Prozent eingestellt. Der Schlichterspruch trifft uns also nicht unvorbereitet.

zeit: Aber Sie haben doch eigentlich kein Geld in der Kasse!

Grandke: Aber nicht deswegen, weil ich 2,5 Prozent Tarifsteigerung einkalkuliert habe. Uns geht es schlecht, weil die Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Offenbach wie in fast allen Kommunen völlig eingebrochen sind. Das ist unser Problem.

zeit: So ähnlich argumentiert auch ver.di-Chef Frank Bsirske.

Grandke: Es ist völlig egal, wer das sagt, wenn das Argument richtig ist. Wir bekommen mehr Geld aus der Hundesteuer als aus der Gewerbesteuer. Bsirske hat objektiv Recht. Die Finanzlage der Kommunen ist lausig.

zeit: Also wäre eine Nullrunde nur angemessen gewesen.