Der Supermarkt, das übervolle Zentrum von Wunschsteuerung und -erfüllung, ist der einsamste Ort der Welt und Robin Williams (siehe auch Leben S. 54) sein perfekter Platzhalter. Inmitten geordneter Sauberkeit wird Weiß zu seiner Tarnfarbe

nichts bleibt von ihm als sein vom Spiegel erbetenes Lächeln ("Check your smile") und das sanfte Quietschen seiner Gummisohlen auf den gebohnerten Gängen. Der Sinn dieses Lebens prangt in großen Lettern an der Wand des Pausenraums: "Unsere Kunden sind alles - ohne sie zählt nichts".

Dass dieser Mann ohne Farbe ausgerechnet darin aufgeht, als der Fotomann Sy Parrish die ihm anvertrauten Bilder anderer, bunterer Leben zu entwickeln, schließt das hermetische Konzept des Drehbuchautors und Regisseurs Mark Romanek. Sein Debüt One Hour Photo malt die Konsequenzen einer spätkapitalistischen Entfremdung mit den Farbtönen aus, die das System seinem Angestellten vorgibt. So werden die Fotos der Familie um Nina Yorkin (Connie Nielsen) und ihren Sohn Jake zu Sys Lebensinhalt - und der von ihm entdeckte Betrug des Ehemanns zu seiner persönlichen Katastrophe. Als sich Sy daranmacht, Rache für seine Fotofamilie zu nehmen, ist seine eigene Welt am Supermarkttresen längst zerstört. Mit ihr aber geht auch etwas von der Strenge und Konsequenz verloren, mit der One Hour Photo seinen bedrückenden Rahmen absteckt. Wenn Sy Parrishs Geschichte schließlich zur Psychopathen-Fallstudie wird, scheint es, als flüchte sich auch Mark Romaneks Film in Bilder, die eigentlich nichts mit ihm zu tun haben.