Die USA zeigten einst mit dem Model-T von Ford technische Führerschaft, Japan tat es 50 Jahre später mit dem Walkman von Sony, China könnte bald mit Handys von Huawei oder Hutchison Whampoa nachziehen. Huawei who?

Europäer sollten sich die Namen der chinesischen Kommunikationsriesen Huawei und Hutchison schon einmal merken. Beide Firmen statten den größten Mobilfunkmarkt der Welt aus: die Volksrepublik. Deren Techno-Diktatur will das Billigproduktionsland möglichst schnell zur Weltspitze führen. Wie ernst es ihr damit ist, demonstrierte der jüngste und erfolgreiche Flug des Raumschiffs Shenzou IV aller Welt. Noch in diesem Jahr soll der erste Astronaut abheben.

Es fügt sich ins Bild, dass zur Jahreswende der Transrapid als schnellster Passagierzug der Welt durch Shanghai schwebte. Mehr Schein als Sein? Auf diesen Eindruck sollte man sich nicht verlassen. Wesentlich realistischer ist es, China als "ganz scharfen Konkurrenten" zu betrachten, wie es Siemens-Chef Heinrich von Pierer formulierte.

Zwar bleibt es wahr, dass China auch heute noch alles Leid und Elend der Welt vereinigt, von hilflosen Aids-Kranken bis zu geknechteten Bauernkindern in Schuhfabriken. Doch selbst bei den Opfern zeigt sich, dass der Fortschrittsstrom des Kapitalismus in allen Etagen der Gesellschaft angekommen ist und die Menschen mit sich reißt. In ihm schwimmen bereits, heute noch unerkannt, die Henry Fords von morgen.

Der britische Wissenschaftshistoriker Joseph Needham hat festgestellt, dass die Zivilisation der Chinesen während 16 Jahrhunderten viel erfolgreicher war als jene des Westens - und warum sollte sie an diese Erfolge nicht wieder anknüpfen können? Schon studieren etwa 13 000 chinesische Studenten in Deutschland, 60 000 in den USA, und noch viel mehr wollen ihnen folgen. Die lernbegierige Jugend ist heute Chinas größte Stärke. Der Westen sollte dieser Jugend sein Wissen durchaus großzügig vermitteln - aber sich über die Folgen keine Illusionen machen.

Den Raketen und dem Transrapid könnten Schnelle Brüter und Hochtemperaturreaktoren folgen. Technologieruinen werden auferstehen, China verwendet wenig Zeit für Risikodebatten. Und wo der Westen zögert, holt es auf, etwa in der Biotechnik. Pekinger Forscher halfen mit, das Genom der Reispflanze zu bestimmen.

China bald auf statt hinter dem Mond? Das könnte für die westlichen Industriestaaten eine echte Herausforderung werden.