Hektik um Elizabeth I. Schlipsträger und Weißkittel rennen vom einen zum anderen Ende der Maschine, die nur scheinbar nach einer britischen Königin benannt wurde, in Wahrheit aber nach der heimlichen Geliebten eines Ingenieurs. Elizabeth stockt. Dann spuckt sie ein paar Meter Zellstoffbahn aus. Dann wieder Stillstand. Gerenne, Notizen, Diskussionen.

Wieder mal wird im brandenburgischen Falkenhagen ein neues Produkt geboren.

Noch ist streng geheim, was der Kunde aus dem papierartigen Material anfertigen wird, das hier getestet wird. Doch wenn alles gut geht, werden sich die Wettbewerber warm anziehen müssen. Kleiner Tipp: Filter.

Airlaid heißen die schneeweißen Bahnen, das Produkt der Firma Concert. So genanntes Halbzeug, das vom Kunden weiterverarbeitet wird. Beim Airlaid-Verfahren wird die flusige Zellulose nicht - wie zum Beispiel bei der Papierherstellung üblich - aus dem Wasserbad heraus verarbeitet, sondern trocken. Sie wird in einem Luftstrom abgelegt und dann weiter chemisch ausgerüstet. Der Vorteil: Diese Zellulose ist weicher als nass verarbeitete, dabei phänomenal saugfähig und reißfest. Außerdem hat sie ein hervorragendes "Rücknässungsverhalten" - sie gibt einmal Aufgesaugtes ungern wieder her.

Keine Concert-Werksbesichtigung ohne die Demonstration durch den Geschäftsführer: Always Ultra zerreißen, Cola draufschlabbern, Rückhaltepotenz demonstrieren.

Neu ist das Airlaid-Verfahren nicht. Putzlappen stellt man schon seit Jahrzehnten so her. Doch erst die steigende Nachfrage nach superdünnen Deobinden und hingehauchten Slipeinlagen machte Airlaid-Zellulose zu einem gefragten Vliesstoff. Die weltweit zu beobachtende Renaissance der guten alten Zellulose jedoch, die Tatsache, dass das Holzprodukt in Forschung und Industrie plötzlich auf großes Interesse stößt, hat aber noch andere Gründe: Zellulose ist biologisch abbaubar und ein nachwachsender Rohstoff. Vom Gerüstbaustoff der Pflanzen und Bäume entstehen jährlich hundert Milliarden Tonnen oder 13 Gramm pro Tag und Baum. Pro Jahr wächst global etwa ein Drittel der Masse heran, die uns an fossilen Rohstoffen insgesamt noch zur Verfügung steht. Das bedeutet für Concert-Geschäftsführer Christof Bruhn: "Man kann solche Produkte ohne Reue wegwerfen." Die Wisch-und-weg-Mentalität belastet immer weniger das Ökogewissen, was erheblich zum zweiten Frühling des alten Polymers Zellulose beiträgt.

Vom Trend profitiert die im Niemandsland an der Autobahn Hamburg-Berlin angesiedelte Tochter der gleichnamigen kanadischen Mutter. Allein das Segment Damenhygieneartikel wächst weltweit jährlich um fünf Prozent. Babywischtücher boomen ebenso wie Feuchttüchlein fürs Klo und für den Autofahrer unterwegs.