Ich würde auch gerne so groß malen können!", hat eine Anne in saubersten Drittklässler-Buchstaben ins Gästebuch geschrieben. In der Tat: Sie sind von beeindruckender Größe, die jüngsten Werke von Katharina Grosse, die in der Ausstellung Ich wüsste jetzt nichts in der Kunsthalle Kiel versammelt sind (bis zum 16. Februar). Bei manchen Bildern der 1961 geborenen Künstlerin bleibt es auch dabei - sie vermögen es nicht, über ihr Format hinaus zu interessieren oder zu inspirieren. Sie sind nur groß, sind nur da. So wie die mit grün bemalten Papierbahnen verhangene Wand, 4,30 Meter hoch, 20 Meter lang

so wie die Leinwand, gevierteilt in ein blaues Rechteck, ein grünes und zwei ockerfarbene. Wie anders dagegen verhalten sich jene Gemälde, auf denen sich verschiedenfarbige Schleifen luftschlangengleich überkreuzen und räumliche Tiefe erzeugen. Ein Spiel der Farben und Formen, zu dem der Betrachter eingeladen ist. Es bleibt ihm überlassen, ob er zunächst Karomuster erkennt oder konzentrische Bahnen, ob er flüchtig hinschaut oder sich hineinziehen lässt in die psychedelisch anmutenden Spiralen. So entwickelt Katharina Grosse langsam den Gedanken des In-der-Kunst-Seins, der im Herzstück der Ausstellung vollendet wird: jenem Raum im Obergeschoss des Museums, den Grosse mit Acrylfarben besprüht hat. Tropfnasen sind bewusst in Kauf genommen, der größte Teil der Wand ist einfach weiß geblieben. Das Kunstwerk scheint nicht abgeschlossen, die Künstlerin könnte gleich wiederkommen, weiterwerkeln. Wieder erschafft Farbe den Raum. Wieder wird dem Besucher abverlangt, Stellung zu beziehen zu dem Kunstwerk, diesmal im wörtlichen, im physischen Sinn: Stelle ich mich vor das aufdringliche Gelb oder in die dunkle Ecke - oder vor die große freie Fläche gegenüber? Diese Kunst lässt sich nicht begreifen, doch lässt sie sich betreten. Man erschafft das Kunstwerk mit. Und das ist fast so befriedigend, wie selbst groß malen zu können.