Geboren wurde sie in einer reichen italienischen Stadt. Ihre Eltern stammten aus gebildeten, wohlhabenden Familien. Als sie noch klein war, wurde der Vater als Arzt und Astrologe an den königlichen Hof eines anderen Landes berufen. Erst später, sie war vier, folgte die Mutter mit den Kindern.

Die Familie wurde mit allen Ehren begrüßt. Auch der mildtätige, gütige und weise König begehrte sie zu sehen und in Freuden zu empfangen. Dies geschah gleich nach der Ankunft in all ihren reich verzierten, kostbaren lombardischen Gewändern ... und beschenkte sie reich. Der König schuf in der Zeit des Hundertjährigen Krieges eine Phase der Ruhe für sein Land. König Karl war in höchstem Maße weise und geschickt, und dies hat er Zeit seines Lebens bewiesen: er verharrte still in seinen Gemächern ... und eroberte doch alles zurück, was seine Vorgänger mit dem Helm auf dem Kopf und dem Schwert in der Hand auf den Schlachtfeldern verloren hatten, schrieb sie nach seinem Tode.

Im Schloss befand sich eine umfangreiche Bibliothek, zu der ihr Vater Zugang hatte. Mit Bewunderung sprach sie von ihrem Vater, der schon früh versucht habe, etwas von den Schätzen seines Wissens an die Tochter weiterzugeben.

Ich war ebenso veranlagt wie er und wollte meinem Vater nacheifern. Sie bedauerte, als Mädchen geboren zu sein, weil ihr offiziell der Zugang zur Wissenschaft verwehrt wurde.

Ihre Kindheit bezeichnete sie als ebenso glücklich wie sorglos. Als 15-Jährige wurde sie mit einem königlichen Notar verheiratet. In ihren autobiografischen Balladen beschrieb sie die Ehe als eine höchst angenehme Angelegenheit, und Worte wie süß, sanft, zärtlich waren ein Schlüsselbegriff für ihr Eheverständnis.

Als ihr Mann starb, hatte sie bereits drei Kinder. Zu ihrem großen Kummer kamen Sorgen, denn leider ist es nicht üblich, dass Ehemänner ihre Frauen in all ihre Geschäfte einweihen. Die eigene Erfahrung hat mich gelehrt, dass diese Regelung völlig unsinnig ist - oft schlimme Folgen hat, und ich mir keine Klarheit über meine Vermögensverhältnisse verschaffen konnte. Sie wurde betrogen, mit Prozessen konfrontiert. Man konfiszierte den von ihrem Mann erworbenen Grundbesitz und verlangte auch noch Abgaben dafür. Sie verlor alles und musste zudem noch für Mutter und Schwester sorgen.

Als junge Witwe war sie der Rechtlosigkeit ohnmächtig ausgesetzt. Sie beklagte in ihren Gedichten, wie Witwen und Waisen vom Adel, der eigentlich eine traditionelle Schutzpflicht gehabt hätte, vernachlässigt wurden. Auch der Klerus, Richter und Beamte kümmerten sich nicht um die Anliegen der Frauen.