Läuft dem Waidmann nach langer Pirsch endlich der kapitale Hirsch vor die Flinte, dann braucht er eines am allerwenigsten: eine Ladehemmung. Solches Missgeschick droht nun der europäischen Raumfahrtagentur Esa auf ihrer Pirsch nach Kometen. Gerade setzt die Esa zu einem Meisterschuss an, der ersten Landung auf einem der Schweifsterne. Da passt es den Jägern gar nicht, dass ausgerechnet jetzt die Trägerrakete Ariane Probleme macht, denn sie soll die Sonde Rosetta hinauf zum Kometen Wirtanen katapultieren.

Vor vier Wochen endete der Erstflug der neuen Ariane 5 (mit verstärkter Tragkraft) in einem katastrophalen Feuerwerk. Alsbald beruhigte das Unternehmen Arianespace, der Start von Rosetta sei nicht gefährdet, denn dieser erfolge mit einer alten Version der Ariane 5. Doch bald stellte man dem "nicht" ein "höchstwahrscheinlich" voran - um schließlich voll auf die Bremse zu treten: Am vergangenen Freitag wurde Rosetta nicht wie geplant auf die Spitze der Rakete montiert. Der Countdown, der am 12. Januar erfolgen sollte, sei "für ein paar Tage" ausgesetzt. Zunächst will Arianespace die Implikationen des feurigen Fehlstarts sorgfältiger ausloten und am 11. Januar entscheiden, ob und wann die Kometenmission abheben kann.

Jetzt läuft die Uhr gegen Rosetta. Denn für ihren Flug müssen die Planeten richtig stehen. Der Schub der Ariane reicht nämlich nicht aus, um die drei Tonnen schwere Rosetta dem schnellen Wirtanen hinterherzuschleudern. Der Komet rast mit einer Geschwindigkeit von 30 000 Kilometern pro Stunde durch den interplanetaren Raum. Deshalb muss die Sonde zusätzlichen Schwung holen, indem sie auf verschlungenem Kurs um den Mars und dann zurück um die Erde huscht. Hierbei wird sie durch deren Schwerefelder beschleunigt (Swing-by).

Dies erfordert eine besonders günstige Konstellation von Erde, Mars und Komet. Die dauert jedoch nur 19 Tage, dann schließt sich das "Startfenster".

Seit 17 Jahren tüftelt die Esa an der Rosetta-Mission, einem der kühnsten Projekte der unbemannten Raumfahrt. Seit zehn Jahren wartet sie auf Wirtanen.

Sie will ihn nicht einfach davonfliegen lassen. So erhofft sich der führende Esa-Projektwissenschaftler Gerhard Schwehm immer noch "90 Prozent Startchancen" für diesen Monat.

Erst Ende 2011 soll die Sonde Wirtanen eingeholt haben. Der befindet sich dann etwa auf der Höhe von Jupiter und geht über zum Fall in Richtung Sonne.