Am blauen Mantel Wotans, am blauen Gewand der Jungfrau Maria konnten schon unsere Ahnen ablesen, dass Blau eine himmlische Farbe ist. In der deutschen Romantik wurde die blaue Blume zum Symbol für die Sehnsucht einer Epoche. Selbst die Maler der Moderne standen noch in ihrem Bann: 1909 malt Marianne von Werefkin den russischen Tänzer Alexander Sacharoff auf blauem Hintergrund – in blauer Robe, in der Hand eine passende Blume. Er und seine Frau Clotilde gehörten zum Umkreis des "Blauen Reiters" und suchten im Tanz, wonach Kandinsky, Marc oder Werefkin in der Malerei strebten: reduzierte, gleichwohl poetische Ausdrucksformen. Das Tanzarchiv versammelt nun neben Bildern und Fotos auch Kostüme und Bühnenentwürfe – Ansätze zu einem postromantischen Gesamtkunstwerk. Die Fantasien richten sich zwar in eine blaue Ferne, die Choreografien schillern aber bereits in allen Farben einer neuen, von Stilzwängen befreiten Bühnenkunst.

"Die Sacharoffs", bis 23. 2., Deutsches Tanzarchiv, Köln, tägl. außer Mi 14–19 Uhr, Eintritt 4,50 Euro. Katalog (Hrsg. Frank-Manuel Peter/Rainer Stamm, Wienand Verlag, Köln 2002, 275 S.): 25 Euro, im Buchhandel 48 Euro;. Auskunft: 0221/2265757