Rechnen musste er nicht mehr. 2,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für seine Bediensteten hatte Offenbachs Oberbürgermeister Gerhard Grandke bereits im vergangenen November bei der Vorlage des städtischen Haushalts 2003 einkalkuliert. 2,4 Prozent mehr in diesem und noch einmal 0,6 Prozent mehr im ersten Halbjahr 2004 gaben die Schlichter im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes nun als Marge für einen Abschluss vor. Also lehnte sich Grandke am Montagmittag, nur ein paar Stunden nach Bekanntgabe des Schlichtungsergebnisses, ganz entspannt in seinem Sessel zurück. "Richtig gerechnet", sagte er. Und lächelte.

Seinen Kollegen war das Lächeln zu diesem Zeitpunkt vergangen. "Unbezahlbar und unausgewogen", schimpfte Bundesinnenminister Otto Schily. Unbezahlbar, klagten auch die Innenminister der Länder und Bürgermeister der Kommunen.

Gerade die Städte hatten ein Ergebnis nahe null verlangt. Sie befänden sich schließlich, so der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Bautzens Bürgermeister Christian Schramm, "in der schwersten Finanzkrise seit 1949".

Eigentlich müsste Gerhard Grandke in diesen Klagechor einstimmen. Seine Stadt ist - wieder einmal - tief in den roten Zahlen. Im Jahr 2002 fehlten Offenbach rund 40 Millionen Euro, 2003 wird sein Etat wohl ein Minus von 59 Millionen Euro verzeichnen. Die Gewerbesteuereinnahmen sind völlig eingebrochen, die Sozialausgaben steigen.

Dabei haben Offenbach und Grandke alles richtig gemacht. Jahrelang galt die 118 000-Einwohner-Stadt am Main als Vorzeigekommune in Deutschland

ihr Bürgermeister hielt Vorträge über kommunale Reformen und schaffte es in einer Frauenzeitschrift sogar auf eine Liste von "neun Menschen, die uns Hoffnung machen". Grandke tat genau das, was Reformer immer wieder anmahnen - er sanierte, privatisierte, verschlankte die Verwaltung und brachte den städtischen Etat in die schwarzen Zahlen.

Als der SPD-Mann 1994 sein Amt übernahm, war Offenbach eine sterbende Stadt.