Wir fuhren über staubige schmale Straßen, wir kamen durch kleine Dörfer, durch Viertel flacher weißer Häuser, und vor dem Eingang einer Schule saßen Kinder, sie lachten und winkten. "Douz, 9 Kilometer" stand auf einem Schild, da wollten wir hin, und weit vor uns glitzerte etwas auf dem riesigen Salzsee, dem Schott el-Djerid, etwas, das aussah wie ins Meer getunkt. Eine Stadt hätte das sein können, die sich dort auftürmte, aber als wir näher kamen, waren es nur ein paar Sandhügel mit Palmen drum herum. Noch drei Kilometer, versprach ein Schild.

Wir kamen nach Douz. Douz glitzerte nicht, Douz war laut. Musik drang aus Lautsprechern, fröhliche orientalische, die leiernd klang. Menschen waren überall, füllten die Gassen und Plätze, Männer in weißen Djellabahs und Frauen, die nach schwerem Rosenparfüm dufteten. Sie alle hatten eine lange Reise hinter sich, auf Kamelen, Pferden, Eseln, in Jeeps. Sie kamen aus Ägypten, Algerien, Libyen, Sudan, Kuwait, den Arabischen Emiraten, sie liefen aufgeregt umher, denn hier geschah etwas. Vier lange Tage im Winter war dieser Ort der Mittelpunkt ihrer Welt, wurde hier das Internationale Saharafestival gefeiert, deshalb waren sie nach Douz gekommen, um zu tanzen, zu singen, Kamele zu reiten und Gedichten zu lauschen von Liebe, schönen Frauen und starken Männern. Für dieses Fest ist Douz in ganz Tunesien berühmt, ach was, in der gesamten arabischen Welt.

Douz, das muss man sagen, ist keine Schönheit. Ein Nest am Rande der Sahara, 60 Kilometer von der algerischen Grenze entfernt. Links stehen ein paar Dattelpalmen, rechts ein paar Feigenbäume, dazwischen leben 12000 Einwohner, viele Esel und noch mal mehr Kamele. Douz ist die letzte Siedlung, bevor es hineingeht in die endlose Weite der Sahara. Ein Ort, der sonst gänzlich öde ist, nur nicht in diesen Wintertagen.

Das Spektakel fand statt in der Arena am Ende des Ortes, dort, wo sonst nur noch blauer Himmel und weiße Sandhügel zu sehen sind. Bewaffnete Polizisten bewachten das Fest, auch solche in Zivil, Verkäufer boten gebrannte Mandeln an, die zuckrig klebten. Vor uns lag ein riesiger Sandplatz, in der Mitte stand ein Brunnen, dahinter gab es Zelte, in denen die Festivalteilnehmer sich vorbereiteten. Wir saßen auf einer Tribüne, in der ersten Reihe, hinter uns drängten sich Hunderte auf ihren Plätzen; Tausende standen. Links wehte die rote tunesische Fahne. Schwarze Limousinen fuhren vor, es kamen hohe Beamte, bestimmt war auch der Gouverneur der Provinz dabei. Türen wurden aufgerissen, die Entourage bewegte sich auf die Logenplätze; das Fest begann.

Ein Mann balancierte Tontöpfe auf seinem Kopf, zehn, zwölf Stück

Zwei Männer auf einem Pferd jagten vorüber, im Kopfstand, ihre Beine wippten im Takt des Galopps, und ihre Westen flatterten im Wind, und von der Tribüne brüllte Taufiq, der Moderator: "Bravo, bravo, bravo!" Wir klatschten entzückt. Zwei Kamele wurden vorgeführt, sie waren wütend, das sah man, wilde Tiere, deren Mäuler weiß waren vor Schaum. Die Treiber ließen sie los, die Kamele umschlangen einander die Hälse, sie drückten und brummten, und ihre Augen traten aus den Höhlen, sie pressten so lange, bis das eine das andere zu Boden gerungen hatte. Dann tanzten ein paar Männer im Kreis. Einer aus ihrer Mitte spielte Flöte und balancierte dabei Tontöpfe auf seinem Kopf, acht, neun, zehn, zwölf Stück. Dann sollten Hunde hinter Hasen herjagen, die Angst hatten und deshalb sofort Haken schlugen. Die Hunde aber interessierten sich nicht für die Hasen, sie liefen geradewegs in die Dünen. Alle auf der Zuschauertribüne lachten entspannt. Gott sei Dank, es floss kein Blut.

So ging das vier Tage.

Am Schluss eines Festtages traten 16 Frauen auf, gekleidet in rote, lila, blau-weiß gestreifte Umhänge. Sie knieten sich in den Sand, legten die rechte Hand auf ihren Bauch und begannen im Rhythmus der Musik ihre Köpfe zu wiegen, so schnell, dass ihre langen Haare von einer Seite zur anderen flogen. Minutenlang ging das so; immer schneller wippten die Köpfe. Es war ein Hochzeitsritual, ein wildes Headbanging in der Wüste. Mitten im Schauspiel aber sprang plötzlich einer der hohen Beamten auf, rückte seine Sonnenbrille zurecht und brauste davon, nicht ohne vorher von allen Umstehenden untertänigst verabschiedet worden zu sein. Die Frauen erstarrten, ihre Haare fielen zurück über die Schultern, sie sahen ein bisschen beleidigt aus, weil man sie so jäh unterbrochen hatte. Schlimmer aber war wohl, dass alle Leute jetzt aufsprangen und zum Ausgang drängten.