Die TUI in Hannover präsentiert sich gern als feine Adresse. Dem "führenden Touristikkonzern der Welt" vertrauen Millionen Deutsche die Organisation der schönsten Wochen des Jahres an, sie verlassen sich auf das "Qualitätsversprechen" der TUI-Manager: dass sie in "gesunden Landschaften" ihren Urlaub genießen können. Denn, so wird versichert, "wir fühlen uns verantwortlich für die Erhaltung der Umwelt und setzen uns für den schonenden Umgang mit der Natur ein".

Das mag heute stimmen. Als jedoch die TUI noch die Preussag war, scherten sich Verantwortliche des Mischkonzerns offenbar weniger um die Natur. Auch die Gesundheit von Mitarbeitern spielte im Kalkül bestimmter Chefs augenscheinlich nicht die gebührende Rolle, wenn die Vorwürfe eines ehemaligen Konzernmitarbeiters zutreffen. "Für die Preussag bedeutete selbst das Leben von Arbeitskräften nicht viel", behauptet Paul Stachl, ehemaliger Mitarbeiter der Würzburger Noell Stahl- und Maschinenbau, die, über die Preussag Noell GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Preussag AG war. Der österreichische Maler- und Lackiermeister arbeitete für Noell 1998 am weltgrößten künstlichen Bewässerungssystem Sennar am Blauen Nil. Im Auftrag der sudanesischen Regierung erneuerte das Preussag-Unternehmen die verrotteten Hubtore des 1925 fertig gestellten Damms. Dabei, so erinnert sich Stachl, "erkrankten einheimische Mitarbeiter reihenweise an Bleivergiftungen, die Sudanesen berichteten sogar von Todesfällen". Stachl macht für die Opferwelle direkt seinen Arbeitgeber, die Preussag-Tochter, verantwortlich.

Die Würzburger zitierten den unbotmäßigen Exmitarbeiter vor Gericht. "Unwahre ehrenbeleidigende und den Ruf der klagenden Partei sowie der gesamten Preussag AG schädigende Behauptungen" hätte Stachl zu unterlassen. Damit Stachl seine Lektion lerne, verlangten die Kläger insgesamt einen Schadenersatz von rund 50 000 Euro - für den 39-jährigen Familienvater eine happige Summe. Doch die Würzburger blitzten beim Landgericht Salzburg ab: In allen Punkten wies die Instanz die Klage zurück. Obendrein muss Noell die Prozesskosten tragen.

In die Berufung wollten die Verantwortlichen nicht mehr gehen. Jetzt darf der international tätige Korrosionsexperte Stachl auch den schwerwiegendsten Vorwurf aufrechterhalten: Ehemalige Mitarbeiter der Preussag-Konzerngesellschaft seien unter mysteriösen Umständen "zu Tode" gekommen. Stachl überwachte in Sennar die Reinigung der rund 100 Schleusentore. Sudanesen säuberten die schweren Vorrichtungen mit Sandstrahl.

"Bei den Arbeiten entstanden bleiverseuchte Staubwolken, die wurden auch in die Stadt Sennar geweht. Tausende Menschen waren dem Gift ausgeliefert."

Keine 100 Meter Luftlinie neben der Sandstrahlanlage feilschten die Sudanesen um Obst, Gemüse, Kleider. Vieles, was auf dem Markt den Eigentümer wechselte, war kontaminiert. An den Schleusentoren traf der toxische Mix die Arbeiter direkt. "Die gingen mit dem Bleistaub auf Anzügen, Haut und Haaren nach Hause, in der Anlage gab es keine sanitären Einrichtungen, nur ein Wasserrohr, das aus der Erde ragte." Erkrankungen häuften sich.

Die Symptome, so fiel es Stachl auf, waren bei den Arbeitern immer die gleichen: Schaum vor den Lippen, verfärbtes Zahnfleisch, extreme Müdigkeit, permanente Übelkeit. Stachls Beobachtungen finden sich in den "Leitsymptomen" bei "Arbeitsbedingter Blei-Intoxikation", der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin. Eine Gefahrenquelle sei, so die DGAUM, das "Entfernen bleihaltiger Beschichtungen mittels mechanischer Verfahren".