Kürzlich sah ich im Fernsehen eine Sendung über die Wege der Evolution. Es ging um den vermutlich ersten Menschen, eine Frau, deren Gene entlang der afrikanischen Küste wanderten. Ein Teil verbreitete sich über den Golf von Aden in Richtung Indien, ein anderer ging in Richtung Europa und von dort weiter nach Amerika. Diese Geschichte zeigte ganz nebenbei, wie wir Menschen immer wieder unsere Umgebung ausbeuten und dann weiterziehen. Bei der Besiedelung Australiens existierte zum Beispiel noch eine Art von drei Meter großen Kängurus. Ausgerottet. Aufgegessen. Wir kommen rein, nehmen, was wir kriegen können, und ziehen weiter.

Ich wünschte, wir könnten diesen Drang überwinden – und auch den, uns gegenseitig auszurotten. Nur manchmal scheint dieser Drang fast verschwunden: als die Berliner Mauer fiel oder beim Zusammenbruch des Kommunismus. Du siehst all diese Veränderungen und schöpfst Hoffnung – und wieder passiert etwas. Wenn wir nur eine Technologie hätten, eine Art neuronales System, das uns auf die nächste Ebene der Evolution brächte! Eine Technik, die uns hilft, zu überwinden, was wir momentan erleben: dieses ständige Bedürfnis zu kämpfen und zu töten. Ich träume davon – und bei diesem Traum bin ich hellwach –, dass wir Menschen miteinander leben können. Die Möglichkeit, alle Bewohner dieses Erdballs zu ernähren, zu bekleiden und auszubilden haben wir schließlich. Alle! Und trotzdem sitzt jeder isoliert in seiner Nische, und ein großer Teil der Menschheit lebt am Abgrund. Obwohl wir die Ressourcen haben, wissen wir nicht damit umzugehen. Tom Waits hat mal gesagt: "Vielleicht gibt es gar keinen Teufel. Das ist einfach nur Gott, wenn er besoffen ist."

In Europa entsteht jetzt so etwas wie die Europäische Union, die Idee, nationale Identitäten zu behalten, aber trotzdem zusammenzuarbeiten. Eine gemeinsame Währung ist der Anfang. Ein Schritt dahin zu sagen: Hey, wir leben alle auf demselben Kontinent! Schon das ist schwer. Aber in einem Traum funktioniert sogar dieses Kunststück: Wie wäre es mit einer Währung für die ganze Erde; einer Menschheitswährung? Der Humano: Wäre das nicht eine Idee, noch radikaler als der Euro? "Was kostet das? 18 Humanos." Alle Kulturen und Sprachen würden dadurch miteinander verbunden. Immerhin erkennt die Weltbank mittlerweile den Bankrott einzelner Staaten an. Jetzt müssen sie nicht mehr versuchen, diese Schulden abzutragen, die weit über ihren realen Möglichkeiten liegen. Ein bankrottes Land hat die Chance, noch mal von vorn anzufangen. Wenn im Geschäftsleben jeder nach einer Pleite all seine Schulden bezahlen müsste, würde jedes Wachstum, jede Entwicklung erstickt.

Wir müssen alle neuen Technologien dafür einsetzen, uns miteinander zu verbinden. Indien zum Beispiel ist ein Land voller unglaublicher Ungleichheiten, und doch funktioniert es auf eine verrückte Art. Das Kastensystem verschwindet zwar langsam, wird aber vor allem von den Swamis noch aufrechterhalten. Sie predigen: Wenn du heute in der Scheiße lebst, wirst du im nächsten Leben alles haben; gib dich heute zufrieden, beim nächsten Mal wird alles besser. Das ändert sich langsam, weil immer mehr Menschen auch in Indien Bilder von anderen Menschen sehen. Sie sitzen vor dem Fernseher und denken: Es gibt ein anderes Leben auf diesem Planeten. Auf diese Weise passen die Völker sich einander an und lernen voneinander.

Wir sind Anpassungstiere. Aber die einzigen Anlässe, die uns in den letzten 150 Jahren wirklich zur Anpassung zwangen, waren Kriege. Auch bei Naturkatastrophen können wir uns plötzlich zusammenreißen und etwas Gutes tun, ohne uns gegenseitig an den Hals zu gehen. Jetzt, wo das menschliche Genom erfasst ist, könnte man womöglich herausfinden, was Konrad Lorenz brennend interessiert hat. Ich glaube, er suchte nach einer chemischen Substanz, die den Geist der Reptilien, der Säugetiere und der Menschen voneinander trennt. Der Reptilienverstand ist, so verstehe ich Lorenz, der primäre, er macht es dir möglich zu überleben. Der Säugetiergeist kümmert sich um den Komfort, die Vermehrung und den Kontakt innerhalb der Art. Der menschliche Geist ist in erster Linie logisch und befähigt dazu, andere Menschen auszulöschen. Der Säugetiergeist würde dir zum Beispiel bei einem Kampf sagen: Okay, ich habe ihm in den Hintern getreten, das genügt. Der menschliche Geist sagt dann: Nein! Wir müssen uns ganz von dieser Bedrohung befreien. Kann man daran etwas ändern? Ja. Müssen wir es bald tun? Ja.

Es gibt ein paar Regeln, damit das Leben hier weitergehen kann. Wenn wir sie nicht beachten, werden wir eher früher als später die wichtigste Ressource verlieren, die wir zum Überleben brauchen: Wasser. Die Westbank zum Beispiel ist für Israel ein riesiger Wasserspeicher, und das ist einer Gründe, warum Israel es nicht so eilig hat, sie aufzugeben. Sehr bald schon wird Wasser im Mittleren Osten viel kostbarer sein als Öl. Das nächste Kapitel meines Traums handelt deshalb davon, dass alle Menschen Zugang zu sauberem Wasser bekommen. Es gibt große Gebiete in Afrika, wo die häufigste Krankheit die Ruhr ist; verursacht durch verunreinigtes Wasser. Dabei ist es leicht und preiswert, sauberes Wasser herzustellen. Oder Bewässerungssysteme zu etablieren. All diese Dinge stehen zur Verfügung, man muss sie den Menschen endlich zugänglich machen.

Sauberes Wasser und saubere Luft sind Menschenrechte. Aber schau dir an, was die Amerikaner zurzeit mit der Luftverschmutzung machen, vor allem mit CO2! Sie weigern sich, das Abkommen von Kyoto zu unterzeichen. (Nein, George, nicht Kioti, die Traktormarke. Die Stadt heißt Kyoto!) Und sogar bei uns ist es schon schwierig, eine saubere Quelle zu finden. In Amerika ist das Wasser vielerorts mit Pestiziden verseucht. Um bei diesen Fragen voranzukommen, müssen wir alle wissenschaftlichen Informationen miteinander teilen.

Und um Frieden herbeizuführen, reichen auch keine Waffeninspektionen. Es geht vielmehr darum, eine Welt zu schaffen, in der Massenvernichtungswaffen nicht mehr gebraucht werden, weil man sie als nutzlos erkannt hat. Russen und Amerikaner haben das sehr langsam herausgefunden und bauen ihre Arsenale ab. Aber jetzt wollen die anderen auch mal die großen Jungs spielen. Wie 16-Jährige, einige Nationen erleben zurzeit so etwas wie eine Pubertät. Sie sagen: "Ich will auch Raketen und Atombomben! Die Leute sollen sich meinen Namen merken!" Die gefährliche Technik wird immer kleiner und immer leichter zugänglich. Eine Atombombe von der Größe eines Baseballs ist vorstellbar.