Die Entscheidung der Europäischen Union über ihre Erweiterung hat eine neue drängende Frage aufgeworfen: Sollen bald mit weiteren Ländern Südosteuropas Aufnahmegespräche geführt werden? Die EU verhandelt schon mit Bulgarien und Rumänien. Doch mit Albanien und den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien hat Brüssel noch nicht konkret über einen möglichen Beitritt gesprochen. Gehören diese Länder in die EU? Eine heikle Frage. Nimmt man Bulgarien und Rumänien auf, wären Serbien und Makedonien geografisch isoliert. Der einst zusammenhängende südosteuropäische Raum würde zersplittert. Das kann sich niemand wünschen.

Die Verkehrswege sind die Lebensadern der Region. Ein Beispiel: die Donau.

Gehörten alle Länder Südosteuropas der Union an, würde die Donau von der Quelle bis zur Mündung zum EU-Fluss. Jeglicher Transport ließe sich effektiver, schneller und unkomplizierter abwickeln. Für alle Anrainerstaaten wäre das von enormem wirtschaftlichen Vorteil, auch für Deutschland und Österreich. Das Gleiche gilt für den Straßenverkehr. Die großen Transportrouten aus der Türkei und dem Nahen Osten nach Europa könnten in Südosteuropa ohne kilometerlange Warteschlangen vor übellaunigen Zöllnern überwunden werden. Man sollte nicht vergessen, dass der gesamte Wirtschaftsraum Südosteuropas, einschließlich Rumäniens und Bulgariens, größer ist als der Polens.

Natürlich sind die Länder Exjugoslawiens und Albanien noch weit von einem EU-Beitritt entfernt. Deshalb brauchen sie klare Bedingungen aus Brüssel für die Aufnahme von Verhandlungen. Doch mit der Integration Südosteuropas würde die EU Europas größten Krisenherd dauerhaft befrieden. Eine selektive Aufnahme wäre keine Lösung. Albaner, Kroaten und Serben sollten nicht in verschiedenen Staatsgefügen leben.

Danko Alimpic ist Historiker und Publizist er lebt in Belgrad und Braunschweig