Immer dann, wenn Aktienkurse in die Höhe schießen, scheint irgendetwas im Busch. An schnellen Erklärungen mangelt es meist nicht. So bietet auch dieser Fall wieder reichlich Stoff für anregende Gerüchte. Zu Beginn der Woche machte das Papier der Deutschen Telekom einen überraschenden Satz nach oben.

Die Spekulation: Der deutsche Telefonriese könnte sich von seiner US-Mobilfunktochter VoiceStream trennen, um mit dem Verkaufserlös den hohen Schuldenberg abzutragen.

Ausgelöst wurde sie durch den britischen Konkurrenten Vodafone. Der könnte den Deutschen, so das Branchengeraune, ihre amerikanische Tochter abkaufen.

Wieso aber jetzt und überhaupt? Schließlich haben die Briten selbst ein Joint Venture mit einem US-Mobilfunkanbieter. Der heißt Verizon und ist der größte in Amerika - mit einem kleinen Nachteil. Die technischen Standards der beiden weichen stark voneinander ab. Und das macht zunehmend Probleme. Deshalb liegt der Gedanke durchaus nahe, dass Vodafone dieses Engagement beenden möchte - um eine neue Beziehung einzugehen. Zum Beispiel mit VoiceStream. Denn die Telekom-Tochter setzte in den USA von Anfang an auf den europäischen Standard GSM, was es Reisenden ermöglicht, hüben wie drüben mit einem einzigen Handy auf Draht zu sein. Auch zwei weitere amerikanische Mobilfunkfirmen (AT&T sowie Cingular) haben das als zukunftsträchtig erkannt.

Warum aber sollte sich die Deutsche Telekom ausgerechnet zugunsten ihres britischen Konkurrenten von einem Wachstumsmarkt trennen? Außerdem würde Kai-Uwe Ricke, der neue Chef des Fernmelderiesen, seine eigene Idee verraten.

Schließlich hat er - gemeinsam mit seinem Vorgänger Ron Sommer - den Kauf von VoiceStream durchgezogen und bislang stets für richtig befunden.