Es ist schon ein wenig seltsam, diesem Täter zuzuschauen. Wie er seine Frau aus heiterem Himmel niederschlägt, ihr den Arm auf den Rücken dreht, sie mit dem Kopf voran auf den gläsernen Couchtisch schleudert, beschimpft, bespuckt und zusammentritt. Seltsam, weil dieser Film seine Geschichte aus der Sicht der Hauptfigur, des Schlägers, erzählt: Dirk Lachsendorf, genannt Laxe, Mitte 30, Polizist in den Hochhausschluchten des Märkischen Viertels.

Die Gewalt bricht plötzlich, eruptiv aus ihm heraus. Äußere Gründe gibt es keine, nur wahnhaft übersteigerte Anlässe der Eifersucht. Am Anfang von Eoin Moores Pigs will fly prügelt er seine Frau zum sechsten Mal krankenhausreif.

Vielleicht zeigt sie ihn endlich an, hat das Schweigen ein Ende, vielleicht wird er diesmal vom Dienst suspendiert. Vielleicht. Er werde sich ändern, sagt Laxe.

Die Frau bleibt im Krankenhaus, und der Mann, der ihr das Gesicht so zertrümmert hat, dass sie kaum mehr aus den Augen sehen kann, macht Ferien.

Pigs will fly gönnt seinem Schläger eine Auszeit, Besuch beim kleinen Bruder in San Francisco. Man ist irritiert, erwartet als Zuschauer zunächst die Opferperspektive und vom Täter das Übliche: Reue, Buße, Strafe oder Besserung. Man windet sich im Kinosessel, weil man einfach keine Lust hat, solch einen Typen auf Reisen zu begleiten, dem Andreas Schmidt die verspannte Selbstsicherheit eines Zwangsneurotikers verleiht.

Doch die große Kinokurve hin zu einer Stadt, die zum Inbegriff hippiesker Selbstfindungen geworden ist, macht Sinn in diesem Schlägerfilm. Das Gegenteil der altbekannten Introspektionen tritt ein, und über die vertrauten Bilder der Straßen von San Francisco legt sich ein unsichtbares Netz. Je weiter der Regisseur seinen erzählerischen Bogen fasst, desto unerbittlicher führt er uns in die Enge einer in ihren Grundfesten verletzten, zerstörerischen Persönlichkeit. Während die Bilder durchatmen, wirken die spärlichen Symptome der schlummernden Gewaltbereitschaft umso bedrohlicher.

In San Francisco landet Laxe in der WG seines Bruders, einer Art psyochosexueller Aussteigerbiotop ohne Wurst und Aggressionen. Hier der zappelige Fleischfresser-Polizist aus Deutschland, da die vegetarischen Tai-Chi-Jünger von Height Ashbury, Verdrängung und Selbsterkenntnis - die Gegensätze mögen in Eoin Moores Film manchmal allzu klar sein, dennoch findet das Nebeneinander der Lebensformen eine vorläufige Balance. Schließlich hat uns das Kino eingeimpft, dass alles immer noch ganz anders und meistens zum Besten kommen kann.