Liebe auf den ersten Blick geht anders. Wie er schon aussah: zu klein, um über andere Autos zu schauen, zu groß, um ihn gut einparken zu können. Weder kantig noch geschmeidig. Der Kühllufteinlass in der Motorhaube sieht aus wie eine schnaubende Nase und der ganze Wagen deshalb so, als wäre er über irgendetwas verärgert. Ein Mitfahrer meinte, der Funcruiser habe sich wohl nicht entscheiden können zwischen einer Existenz als Auto oder als Elefant.

Der Toyota will alles gleichzeitig sein: Kombi, Geländewagen, Limousine, vielleicht sogar Elefant. Der Vorteil dabei: Sein Besitzer braucht nicht, wie jeder andere Mensch, drei oder vier Autos. Der Nachteil: Wer es jedem recht machen will, kann wenig begeistern.

Offenbar ging es nicht nur mir so. Niemand im Berliner Stadtverkehr beachtete den Funcruiser, und das, obwohl er dort so ziemlich der Einzige seiner Art war. Toyota aber behauptet in der Werbung, der Wagen sei der meistverkaufte seiner Klasse. Diese Klasse muss sehr überschaubar sein.

Wenn eine Beziehung nicht in Gang kommt, das weiß jeder, empfiehlt sich eine Fahrt aufs Land. Umso mehr, wenn es um die Beziehung zu einem halben Geländewagen geht. Zwar ist über Berlin und seine Straßen viel Schlechtes zu hören, von abgesackten Fahrbahnen und von Schlaglöchern ist die Rede, die nicht mehr zu stopfen sind, weil Finanzlöcher nicht mehr zu stopfen sind, aber noch ist die Stadt weit entfernt von einem Zustand, wie man ihn sich für Autos mit Vierradantrieb und Gasdruckstoßdämpfern wünschen würde.

Unser therapeutischer Trip zur Ostsee führte uns zunächst auf die Autobahn, was die Sache nicht besser machte. Dort wurde der Toyota laut. Ab Tempo 130 war es schwer, sich zu unterhalten. R., die hinten saß, musste sich beim Stopp in Rheinsberg die wesentlichen Teile der Konversation nacherzählen lassen.

Ebenfalls ein Konversationstöter: das Navigationssystem. Die Frauenstimme plappert auch noch auf Straßen, die einfach nur geradeaus führen. Das Navigationssystem kennt schnelle Routen und kurze, es kennt - an der Ostsee sinnvoll - Wege mit Fähren und solche ohne. Was es nicht kennt, sind Wege in den Schlamm. Genau dort wollten wir hin.

Auch die beste Michelin-Karte weist diese seltenen Orte nicht aus (wo ist eigentlich die im Prospekt versprochene Karten-Leselampe?). Dabei wäre es für jeden Halbgeländewagen schön, wenn analog zu den landschaftlich reizvollen Strecken, die auf den Karten mit einem grünen Band versehen sind, Waldwege schlammfarben eingezeichnet wären.