Seine Berühmtheit verdankt Jesus seinen Wundern: Unbefleckt wurde seine Mutter mit ihm schwanger. Er ging übers Wasser. Nach seinem Tod verflüchtigte er sich aus der Grabkammer. Schließlich fuhr er gen Himmel. Nicht zu vergessen: seine Heilungen. Wunder gab es immer wieder.Das alles hat man nie recht für möglich gehalten. Zu viel Metaphysisches umweht den Mann aus Nazareth. Als ultrarationalistischer Kritiker hat man daher die Kunststücke stets infrage gestellt. Man zweifelte an den reinen Umständen seiner Zeugung, und die Überlieferung seiner medizinischen Leistungen tat man als Ergebnis von Placeboeffekt, Lüge und Übertreibung ab.Als Bewohner von Städten, deren Gewässer im Winter oft ihren Aggregatzustand ändern, habe ich von den Heldentaten einzig den Gang über das Wasser mit meinen physikalischen Kenntnissen in Einklang bringen können. Das reichte immerhin, um Jesus als charismatischen Normalsterblichen gelten zu lassen.Blieb aber die äußere Erscheinung des Messias. Waren, so schwante mir, Jesus und die ihn begleitenden Freaks nicht einfach Kiffer? Immerhin könnte auch dies trefflich erklären, wie es zu jener Anekdote kam, in der sich der Meister ohne Boot, Brett oder Brücke über Wasser gehalten haben soll: Die Zeugenaussagen stammten von den Jüngern. Vielleicht hatten die sich einfach gerade zusammen mit Jesus am Strand die volle Dröhnung reingezogen.Nun bestätigt überraschenderweise der Publizist Chris Bennett im US-Drogenmagazin High Times nach interdisziplinären Recherchen ausgerechnet diese Vermutung: Der antike Hippie soll Kranke mit Cannabis geheilt haben. Es ist daher davon auszugehen, dass die Apostel und ihr Chef sich nach getaner Arbeit ein wenig mit ihrer Arznei vergnügten.Bennett liefert Bibelstellen und archäologische Befunde. Das Öl, mit dem sich die ersten Christen balsamierten, enthielt große Mengen Keneh-Bosum, ein Cannabis-Extrakt. Aufgenommmen über die Haut reagiert der Körper nicht anders, als würde der Stoff in der Tü te geraucht oder als Keks geknabbert. Das biblische Rezept für das heilige Salböl, das Bennett der hebräischen Originalversion des Exodus-Kapitels entnommen haben will, empfehle ausdrücklich, bei Keneh-Bosum ordentlich zuzulangen, um die richtige Mischung zum Salben zu erhalten: zirka ein Pfund auf einen Liter Olivenöl.Archäologische Befunde belegen, dass in der Antike Cannabis gegen epileptische Anfälle eingesetzt wurde. Da man hinter diesem Leiden einen Dämon vermutete, sagt Bennett, soll die erfolgreiche Behandlung "als Exorzismus oder Wunderheilung" deklariert worden sein. Beistand liefert Carl Ruck, Bostoner Professor für Klassische Mythologie: Es bestehe "kaum ein Zweifel, dass Cannabis in der jüdischen Religion eine Rolle gespielt hat". Der traditionelle, auf der Straße erhältliche Stoff landete auch in christlichen Mixturen. Und warum sollten sich damals mehr Menschen als heute an die biblische Vorgabe gehalten haben, nicht an dröhnenden Düften zu schnuppern (2. Mose 30,38).Heute weiß man, dass sich mit dem Haschisch-Wirkstoff Delta-9-Tetrahydrocannibinol (THC) behandeln lässt, woran schon Jesus erfolgreich herumgedoktert hat: Hautleiden, Augenleiden, Menstruationsprobleme. Außerdem hilft die Droge Querschnittsgelähmten, MS-, Aids- und Krebspatienten.Die Christen könnten sich darüber freuen, dass sich die Wegbereiter ihrer Religion als fröhliche Heiler und festfreudige Truppe entpuppt haben. Mit diesem Imagegewinn ließe sich nun auch unter Jugendlichen vortrefflich missionieren: schwarzer Afghane und roter Libanese wären der Stimmung an Osterfesten und Pfingstlagern bestimmt nicht abträglich. Stattdessen wird auf JesusJournal.com dem High-Times-Autor Bennett vorgeworfen, windige Fakten überinterpretiert zu haben. John Cunyus, Autor eines Buchs über christliches Heilen, spottet, mit "he was stoned" sei etwas anderes gemeint, als Bennett vielleicht vermute.Es ist mir ein Rätsel, warum sich Christen über die Neuigkeit aufregen. Immerhin hat die Wissenschaft erstmals eine Wundertat ihres Idols bestätigt. Stoned
Ihr Urs Willmann