Phantom-Piloten fordern klare Regeln für Flugzeug-AbschüsseDie Luftwaffenpiloten der so genannten "Alarmrotten" fordern von der Bundesregierung eine klare Rechtsgrundlage zum Abschuss ziviler Flugzeuge, die von Terroristen gesteuert werden, berichtet DIE ZEIT. Die Unsicherheit über die Zulässigkeit eines gezielten Flugzeugabschusses sei so groß, dass die Piloten darüber nachdächten, im Ernstfall den Befehl zu verweigern. In Neuburg an der Donau und Wittmund bei Jever sind je zwei Phantom-Kampfjets stationiert, die innerhalb von 15 Minuten zu Abfangflügen aufsteigen können. Die Piloten bezweifeln, dass die Bewaffnung der Phantomjäger geeignet ist, Kleinflugzeuge abzuschießen.Eine ministerienübergreifende Arbeitsgruppe zur Luftraumsicherheit legte Verteidigungsminister Peter Struck eine Empfehlung zur Regelung eines Flugzeugabschusses durch die Bundeswehr vor. Danach soll eine "Klarstellung" ins Grundgesetz eingefügt werden, wonach diese Maßnahme im Falle eines terroristischen Angriffs verfassungsgemäß sei. Zur Begründung heißt es, bei einem solchen Einsatz handele es sich um einen "Spezialfall des übergesetzlichen Notstandes". Eine Kompetenzerweiterung der Bundeswehr über Artikel 35 GG hinaus wollen in dieser Regelung weder das Verteidigungsministerium noch der Bundeswehrverband sehen.

Handwerker gegen "Meisterzwang"Gegen den gesetzlich vorgeschriebenen "Meisterzwang" im deutschen Handwerk hat sich der Bundesverband unabhängiger Handwerkerinnen und Handwerker (BUH) ausgesprochen. Die von der rot-grünen Bundesregierung geplante Lockerung der Handwerksordnung, nach der Gesellen befristet auch ohne Meister einen Handwerksbetrieb führen können, reicht nach Ansicht des Verbandes nicht aus. Bisher sehe er "noch nicht den großen Wurf für die Reform", sagt Vorstandsmitglied Thomas Melles der ZEIT.Melles fordert, künftig solle der Kunde frei wählen können, ob er "einen Meister mit seiner höheren Qualifikation beauftragen will oder ob ihm etwa für einfachere Arbeiten das Niveau eines Gesellen reicht". Der BUH ist überzeugt, dass ohne Meisterzwang im Handwerk die Zahl der Arbeitsplätze deutlich zunehmen wird und die Leistungen auf Dauer billiger werden.

Harvard-Studie belegt: US-Studenten trinken zu vielAmerikas Colleges haben ein Alkohol-Problem: Eine Harvard-Studie stuft 44 Prozent der rund 12 Millionen undergraduates als "exzessive Konsumenten" ein. Das bedeutet, dass die Studenten alle zwei Wochen mindestens einmal fünf oder mehr Drinks in Folge zu sich nehmen.Das National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA) schätzt, dass jedes Jahr 1400 alkoholisierte Studenten ums Leben kommen: 1100 verunglücken mit dem Auto, 300 weitere fallen aus dem Fernster, ertrinken oder wachen nach durchzechter Nacht nicht mehr auf. 500 000 Studenten landen im Krankenhaus, und 70 000 Studentinnen fallen einer Vergewaltigung oder sexueller Belästigung zum Opfer, die mit übermäßigem Alkoholzuspruch zusammenhängen."Studenten haben schon immer getrunken", sagt Marc Goldmann, Professor für Psychologie und Leiter einer NIAAA-Kommission zum Alkoholismus an Universitäten, "der Unterschied ist, dass sie sich heute bewusst in den Vollrausch trinken".

Amerikaner bilden Exil-Araber in Ungarn ausAuf einem alten Militärflughafen im ungarischen Taszár, wollen die Amerikaner bis zu 3000 arabische Emigranten ausbilden. Sie sollen nach einem Irak-Krieg im besetzten Bagdad für den militärisch-zivilen Aufbau eingesetzt werden. Seit der vergangenen Woche sind bereits mehr als 150 US-Militärpolizisten auf dem Stützpunkt eingetroffen. In der dritten Januar-Woche soll die Zahl amerikanischer Armeeangehöriger auf nahezu tausend aufgestockt werden. Die Exil-Araber werden von Ende Januar an in mehreren Schüben eingeflogenDer Nato-Partner Ungarn hat bisher keinerlei Informationen, woher die Araber kommen und warum sie ausgerechnet in der ungarischen Schneelandschaft ausgebildet werden sollen. "Natürlich wollen die Amerikaner immer mehr Länder in ihr Unternehmen hineinziehen", sagt der ungarische Verteidigungsminister Ferenc Juhász. Der gleichen Meinung ist der Bürgermeister der 2100-Seelen-Gemeinde: "Taszár nimmt ein zusätzliches Risiko auf sich. Wir haben bisher nicht viel davon gehabt, dass die Amerikaner den Stützpunkt in unserer Gemeinde nutzen."Die Eltern von Taszár beginnen inzwischen zu fragen, ob ihre Kleinen in Kindergarten und Schule noch sicher sind. Am Wochenende hat die ungarische Armee Boden-Luft-Raketen um das Dorf stationiert, um den Stützpunkt gegen Terroranschläge abzuschirmen. Polizisten und Zivilschützer werden in die Region abkommandiert.

Notenbankchef Trichet: Verbraucher, seid wachsamAn eine Ablehnung des Euro durch die Deutschen mag Frankreichs Notenbankchef Jean-Claude Trichet nicht glauben. Der ZEIT sagt der Kandidat für die Nachfolge Wim Duisenbergs als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), die Teuro-Debatte in Deutschland zeige vielmehr, dass die Verbraucher aufpassten. Als Mitglied des EZB-Rats sagte er den Verbrauchern: "Je wachsamer Ihr seid, desto zuversichtlicher sind wir." Es sei seine tiefe Überzeugung, dass die deutschen Euro-Skeptiker "nicht wollen, dass die europäische Währung wieder verschwindet".Trichet hält es nicht für dramatisch, dass die Inflation in manchen Euro-Ländern viermal höher ist als in Deutschland. Dieses Phänomen sei "in allen sehr großen Währungsräumen zu beobachten", etwa in den USA. Deutschland könne aber dank seiner niedrigen Inflationsrate "Zug um Zug die Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen, die es in der Folge der deutschen Wiedervereinigung verloren hatte". Dass die Märkte ungeachtet der zu hohen Inflationsrate in Euroland Vertrauen in den Euro haben, zeige sich daran, dass heute in ganz Europa der Zehn-Jahres-Zins da liege, wo er vor 1999 in Deutschland und Frankreich lag. Trichet: "Das ist das Euro-Wunder!"

Helmut Schmidt appelliert an Gerhard Schröder und Jacques ChiracAnlässlich des Jubiläums des Elysée-Vertrages plädiert Helmut Schmidt in der ZEIT für eine Erneuerung der deutsch-französischen Freundschaft, die sich seit der Wiedervereinigung Deutschlands 1989/90 abgekühlt habe. Der Altkanzler bedauert, dass bisher "weder Jacques Chirac noch Gerhard Schröder verstanden haben, dass angesichts der neuartigen Gefahren, die im 21. Jahrhundert unsere Völker bedrohen werden, eine nationalstaatliche Selbstbehauptung immer aussichtsloser werden muss."Schmidt: "Chirac hat nach seiner triumphalen Wiederwahl weit größeren Spielraum als Schröder. Er sollte bei de Gaulle, bei Monnet, bei Giscard, beim ersten Septennat Mitterrands und bei Delors anknüpfen. Er besitzt völkerrechtliche und nukleare Trumpfkarten, welche wir Deutschen nicht haben und nicht haben werden. Darüber hinaus hat die französische Nation unter den Völkern der Welt ein enormes Prestige, begründet durch Frankreichs Geschichte und Kultur. Dagegen wird auf uns Deutschen noch generationenlang die Erinnerung an Auschwitz lasten; deshalb bedürfen wir Deutschen auch in Zukunft der Franzosen, ihres Verständnisses und ihrer politischen Initiativen."

Israelischer Schriftsteller Amos Oz für ZweistaatenlösungAmos Oz, einer der bekanntesten Schriftsteller Israels, äußert sich zuversichtlich über eine Friedenslösung im Nahen Osten. Der ZEIT sagt OZ, beide Völker, Israelis und Palästinenser, wüssten heute schon, "was am Ende die Lösung" sein wird. "Sogar jene, denen diese Lösung nicht gefällt, sogar jene, die bereit sind zu sterben, um diese Lösung zu blockieren, wissen, worum es geht: um eine Zweistaatenlösung. Sie wissen, dass es in Jerusalem zwei Hauptstädte geben wird, dass die meisten Siedlungen abgebaut werden und es zu keiner massiven Rückkehr von palästinensischen Flüchtlingen nach Israel kommen wird."Nur die "miserablen Führungen" in Israel und bei den Palästinensern hätten dies noch nicht begriffen und spielten sich "wechselseitig in die Hände". Die "Patienten sind für die Operation bereit, aber die Ärzte sind zu feige", sagt Amos Oz.

US-Ökonom Nordhaus: "Ein Krieg ums Öl ist ökonomischer Unsinn"Ein Angriff auf den Irak würde der amerikanischen Wirtschaft mehr schaden als nützen, sagt der amerikanische Ökonom William Nordhaus der ZEIT. "Es dürfte für die USA sehr schwer werden, von diesem Krieg zu profitieren", meint Nordhaus, der eine Studie über die wirtschaftlichen Folgen eines Irak-Kriegs verfasst hat. Die Vermutung, die Amerikaner wollten die Kontrolle über die irakischen Ölvorkommen erlangen und drängten deshalb auf einen Krieg, hält Nordhaus für abwegig: "Das ist ökonomischer Unsinn." Der Irak habe gar keine andere Wahl, als sein Erdöl zu exportieren. "Wenn die amerikanische Regierung einigermaßen klar über diese Dinge nachdenkt, dann ist Öl kein wesentlicher Kriegsgrund", so Nordhaus.Durch einen Angriff auf Saddam würden den USA, je nach Kriegsverlauf, im-mense Kosten entstehen. Selbst bei einem schnellen Erfolg lägen diese bei mindestens 100 Milliarden Dollar, so die Schätzung des Wirtschaftsforschers, der einst US-Präsident Carter beriet und heute an der Universität Yale lehrt. Ein langwieriger Krieg hätte steigende Ölpreise, fallende Aktienkurse und ein schwindendes Konsumentenvertrauen zur Folge. Im schlimmsten Fall rechnet Nordhaus mit einer langen weltweiten Rezession. Die frühere Regel, Kriege lösten wirtschaftliche Aufschwünge aus, gelte nicht mehr, sagt Nordhaus.

CDU-Politiker Lamers: "Amerika braucht ein Widerlager"Der CDU-Außenpolitiker Karl Lamers hat vor einem Anwachsen anti-amerikanischer Ressentiments in Europa in Folge eines Irak-Kriegs gewarnt und eine bessere deutsch-französische Zusammenarbeit gefordert. Weil Europa außenpolitisch zu schwach sei, träfen die Amerikaner ihre Entscheidungen alleine, schreibt Lamers in der ZEIT. "Die Folgen dieser Entscheidungen tragen die Europäer jedoch mit - auch und vor allem die einer etwaigen Irak-Intervention. Das ist eine für Europa nicht akzeptable Arbeitsteilung!"Nur ein starkes Europa, sagt Lamers, könne Amerikas Partner sein. Die USA bräuchten aber ein Widerlager, "weil grenzenlose Macht zu Hybris führt". Vor-aussetzung hierfür sei eine bessere deutsch-französische Zusammenarbeit. Lamers spricht sich deshalb für eine Stärkung der deutsch-französischen Koordinatoren aus. Sie sollten von politischen Persönlichkeiten besetzt werden und ein Initiativ- und Vortragsrecht von den jeweiligen Parlamenten erhalten. Als "Signal an Europa" schlägt Lamers vor, dass der deutsche und der französische UN-Botschafter jeweils einen Stellvertreter aus dem anderen Land bekommen sollten.

Sängerin Patricia Kaas erfüllte ihrer Mutter den letzten Wunsch"Mein letzter Wunsch ist es, deinen großen Erfolg zu sehen" - um ihrer todkranken Mutter diesen Wunsch zu erfüllen, hat Patricia Kaas "alles, was möglich war" versucht. "Außer mit jemandem zu schlafen, aber sonst - alles: Ich habe jedes Interview gegeben, bin zu jedem Radiosender gegangen, habe den Redakteuren meine Platte persönlich in die Hand gedrückt und ihnen gesagt, dass sie sie spielen sollen." Mit Erfolg - "Meine Mutter hat sogar noch zwei, drei meiner Hits mitbekommen", sagt sie der ZEIT.Patricia Kaas bezeichnet sich als "Mutterkind". Immer fragte sie sich: "Wie hätte sie es gemacht?" Erst fünf, sechs Jahre nach dem Tod ihrer Mutter habe sie darüber nachgedacht, "was mir selbst gefallen würde. Die Sängerin, die mit sechs Geschwistern nahe der französisch-deutschen Grenze aufgewachsen ist, hat eine starke Familienbindung. Während ihrer letzten Tournee starb überraschend ihr Bruder: "Das hat mich unglaubliche Kraft gekostet. Kurz darauf, in Luxemburg, war meine Stimme weg. ... Ich glaube, ich hatte Angst vor diesem Tag, weil mein Bruder ursprünglich geplant hatte, mich dort zu besuchen."Mit einer Hauptrolle in Claude Lelouchs Film "And Now ... Ladies and Gentlemen", der in Deutschland am 30. Januar anläuft, gibt Patricia Kaas ihr Debüt als Schauspielerin.

Konstantin Wecker: Irak-Reise hat mein Leben verändert"Ich werde mein Leben anders gewichten und noch mehr Zeit dafür verwenden, anderen zu helfen", sagt der Liedermacher Konstantin Wecker, 55, nach seiner Irak-Reise der ZEIT. Er war zusammen mit einer Friedensdelegation der Tübinger Gesellschaft Kultur des Friedens in den Irak gereist, um für den Frieden mit dem Irak zu werben. Für Wecker war es wichtig "zu spüren, wie aus Zahlen Menschen und aus Statistiken Gesichter werden".Um sich vom Regime nicht instrumentalisieren zu lassen, hätten die Künstler "von Anfang an auf Limousinen-Service und ähnliche Angebote verzichtet, ohne dabei die arabische Gastfreundschaft zu brüskieren". Die Großzügigkeit der Iraker bewegte ihn tief: "Die Menschen haben uns unendlich freundlich aufgenommen und nicht mal unseren amerikanischen Kollegen gegenüber Vorurteile gezeigt."Konstantin Wecker: "Unsere einzige Chance ist es, Politik von unten zu betreiben, um den Leuten zu helfen, sich langfristig zu emanzipieren. Gleichzeitig müssen wir einsehen, dass man der arabischen Welt eine Demokratie nach westlichem Muster nicht einfach aufdrücken kann."Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Verena Schröder, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel.: 040/ 3280-217, Fax: 040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. schroeder@zeit.de) gern zur Verfügung.