Hassan II., der verstorbene König von Marokko, war ein Suchender – er suchte die perfekte Unterhose. Dafür flog er seinen Privatjet auch eigenhändig nach Zürich-Kloten. Auf dem Rollfeld warteten schwarze Limousinen mit laufenden Motoren auf ihn und seine Entourage. Chauffeure lenkten die Wagen in den Kanton Aargau. Im Industriegebiet von Aarburg machte der Konvoi Halt, und der König betrat die Firma Zimmerli. Er arbeitete sich durch sorgsam aufgereihte Wäschestücke und fand, wonach er gesucht hatte: die "beste Unterwäsche der Welt" (Zimmerli-Eigenwerbung). Er kaufte für über 100000 Franken. Und deckte auch gleich seine Botschafter mit Unterhosen ein. Das ist bald 30 Jahre her, doch zwei Dinge haben sich seither nicht verändert: Zimmerli stellt noch immer die wohl besten Unterhosen der Welt her. Und die Räumlichkeiten überraschen nach wie vor durch ihre, sagen wir, Bescheidenheit: Im Betonbau hinter einer Mercedes-Filiale fehlt ein ordentlicher Empfang. Wer eintritt, findet sich in einem von Neonröhren beleuchteten Gang wieder. Erst nach einem Hilferuf wird man in ein Besprechungszimmer geführt, in dem mehr Platz für Kleiderständer als für Gäste ist.

Eingriffe gibt’s nur in den Hosen, nicht in die Firmentradition

"Wir wollen eine Kultmarke sein", sagt Walter Borner, Geschäftsführer und Mitbesitzer der Firma. Diesen Status erreiche man dank der Qualität der Produkte und nicht wegen eines repräsentativen Verwaltungsgebäudes. "Die Ware ist im Wortsinne unnachahmlich, denn seit jeher fertigt Zimmerli auf Maschinen, die eigens für die Zimmerli-Produktion gebaut wurden", schreibt Thomas Hoof von Manufactum, jenem Versandhaus aus Waltrop, das Qualitätsfetischisten beliefert. Logisch, dass Manufactum Zimmerli-Produkte vertreibt. Hoof beschwert sich zwar, dass die Schweizer keine technischen Daten über ihre Garne und Gewirke rausrücken, zeigt aber gleichzeitig Verständnis: "Weil Mitbewerber sonst wohl erbleichen würden."

1871 begann Pauline Zimmerli-Bäuerlin in Aarburg mit der maschinellen Fertigung von "feinsten Unter- und Oberkleidern für Freizeit, Sport und Reise", wie in der Firmengeschichte nachzulesen ist. Acht Jahre später wurde die Wäsche auf der Weltausstellung in Paris prämiert. In den vergangenen 123 Jahren ist es den verschiedenen Besitzern gelungen, die Qualitätsvorgaben der ehemaligen Arbeitsschullehrerin zu erfüllen – auch Borner lässt ausschließlich langstaplige ägyptische Mako-Baumwolle verarbeiten. Und das einzig in der eigenen Näherei in Coldrerio im Tessin in der Südschweiz.

Aber auch an den Schnitten und Dessins würde Frau Zimmerli-Bäuerlin nach wie vor Freude haben. Von Ausnahmen abgesehen, handelt es sich um "große Unterhosen mit Eingriff, wie sie ältere Männer schätzen", sagt Yolanda Unger, die Marketingleiterin bei Zimmerli. Die Hosen sind in Weiß, allenfalls auch Schwarz respektive Marine lieferbar, und aus hauchzartem Strick sind sie sowieso. Die beiden am meisten nachgefragten Modelle heißen 252 Royal-Classic und 207 Richelieu. Tatsächlich – es handelt sich um Typenbezeichnungen von Leibwäsche, nicht um Motorsägen.

Modell 207 Richelieu werde "vor allem von prominenten Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik oder Showbusiness sehr geschätzt", steht im Prospekt. Etwa von Dieter Meier. Die Unterhose sei das "unmittelbare Haus des Körpers", sagt der Sänger des Schweizer Pop-Duos Yello. Deshalb würde er, wenn er sich denn entscheiden müsste, "lieber in schlechter Architektur als in schlechter Unterwäsche leben". Muss Meier aber nicht – er wohnt in einer schönen Villa an einem Hügel über der Stadt Zürich und trägt Zimmerli-Wäsche, weil die, sagt er, die "vollendete Kombination von Halt und Freiheit" darstellt. Dank hervorragender Passform und eines Gummibandes, das zwar sitze, aber niemals einschneide. Auch Harald Schmidt trägt Zimmerli: "Und zwar Boxershorts. Tangas sind für mich nichts, weil ich unglaublich viel zu verstauen habe." Und Zimmerli ohnehin keine Tangas herstellt.

Nicht ganz so wortmächtig, aber kaum weniger euphorisch äußert sich der Schauspieler Bill Murray im New York Times Magazine: "Zimmerli ist die beste, komfortabelste Herrenwäsche der Welt."

Solche Komplimente von Stars, sagt Geschäftsführer Borner, seien unbezahlbar. Sind sie natürlich immer, doch in diesem Falle ganz besonders, denn Zimmerli könne sich fast keine Werbung leisten – "Dafür sind wir zu klein."