Die Sache gilt als ausgemacht: Die ältere Generation wird der jüngeren mit ihren Gebrechen den letzten Cent rauben. Schuld daran sei die demografische Entwicklung, sagen die Auguren, denn in Deutschland dürfen sich immer mehr Menschen über ein immer längeres Leben freuen. Heute ist jeder fünfte Bürger älter als 60 Jahre

im Jahr 2030 wird es schon jeder dritte sein. Und die Zahl der über 80-Jährigen verdoppelt sich in diesem Zeitraum fast. Im Alter aber, das weiß jeder, lahmen die Organe, brechen die Knochen, versagen die Hirne. Das kostet.

Auf der anderen Seite schuften immer weniger junge Leute, um die kränkelnden Senioren bei Gesundheit zu halten. Am krassesten wird das Missverhältnis sein, wenn die Baby-Boomer grau geworden sind.

Aber lassen mehr ältere Menschen tatsächlich die Kosten explodieren?

Gesundheitsökonomen von der University of North Carolina in Chapel Hill (USA) wollten es genauer wissen. Ihre Rechnung präsentieren sie im Journal of Gerontology. Die alternden Baby-Boomer beuteln in der Tat die Krankenkassen - aber der Anstieg der Kosten ist bei weitem nicht so hoch wie erwartet. Der Grund: Hat der Patient erst einmal ein bestimmtes Alter erreicht, werden bestimmte belastende - und sehr teure - Eingriffe gar nicht mehr in Betracht gezogen. Wo ein 50-Jähriger noch gute Chancen hat, eine neue Leber eingepflanzt zu bekommen, winken die Mediziner bei einem 80-Jährigen gleich ab.

Zwar gilt auch für alte Menschen, dass in den Wochen und Monaten vor ihrem Tod für die Pflege am meisten Geld ausgegeben wird. In den gerontologischen Abteilungen aber wird geknausert - umso mehr, je älter ein Patient ist. Die amerikanischen Forscher entdeckten bei ihrer Analyse, dass in der Sterbephase für 65- bis 74-Jährige durchschnittlich 7580 Dollar ausgegeben wurden, für die über 85-Jährigen nur noch 5254 Dollar.

Die Prognose, dass die vergreisende Gesellschaft zwangsläufig alle Kostenpläne sprengt, ist also höchst fragwürdig. Die Entwicklung in der Medizin ist zu komplex, um aus einfachen Fortschreibungen eine unbezahlbare Zukunft zu extrapolieren.