Leben", sagt Alexis Sorbas, "ist Hosengürtel festschnallen und nach Schwierigkeiten gucken. Ohne Schwierigkeiten ist kein Leben." Dann stützt er mit der Kraft seiner Schultern einen baufälligen Bergwerksstollen ab, bringt Mönchen das Fürchten bei, rettet (fast) eine junge Witwe vor dem Erstochenwerden und versüßt einer alten Schabracke die letzten Lebenstage. Zum Schluss baut er eine Materialseilbahn, um Baumstämme vom Berg zum Hafen zu bringen. Doch die Seilbahn bricht zusammen, Sorbas tanzt ein bisschen Sirtaki, und der Film ist aus.

Hätte Sorbas den Touareg gehabt, hätte er bei jeder Fahrt dreieinhalb Tonnen Holz hinter sich herschleppen können, die Witwe hätte er mit 200 Sachen in Sicherheit gebracht, und heute wäre er Sägewerksbesitzer. Ihm wäre außerdem noch Zeit geblieben, ein kleines Hotel zu führen und nebenbei Touristen Volkstanzkurse zu geben.

Der VW Touareg nämlich ist das richtige Auto für die Schwierigkeiten im Leben. Und für die Abenteuer. Nun sind die Schwierigkeiten im Leben des modernen Mannes etwas anders. Auf seinen Schultern lasten öfter die Hände des Physiotherapeuten als die Stützbalken eines Bergwerksstollens. Und den alten Schabracken und der ganzen restlichen Nachbarschaft muss er immer wieder beweisen, dass er noch nicht zu den Opfern der Wirtschaftskrise zählt. Das Schöne ist: Auch für diesen modernen Mann ist der Touareg das ideale Auto. Noch ist er auf der Straße kaum zu sehen, aber schon scheint sich herumgesprochen zu haben, dass er unglaublich teuer ist. Und seine beheizbaren "Komfortsitze mit elektrischer 12-Wege-Verstellung inklusive Lordosestütze" tun jedem verspannten Rücken gut.

Die Marketingstrategen in Wolfsburg scheinen den modernen Mann gut zu kennen. Deshalb haben sie für ihn ein Fahrzeug entwickelt, das "trotz authentischer Offroad-Eigenschaften … onroad den Komfort einer hochklassigen Limousine sowie die Handling- und Antriebseigenschaften eines Sportwagens … und den Prestigewert einer ›alternativen‹ Oberklasse" bietet (so der Pressetext).

Und die Kollegen in der Werbeabteilung wissen genau, dass dieser moderne Mann im Grunde seines Herzens ein kleiner Junge geblieben ist. Deshalb lassen sie den Touareg in Zeitungsanzeigen Treppen hochfahren ("Ich bring dich noch zur Tür") und machen auf Plakaten folgende Gleichung auf: "Ostern + Weihnachten + Geburtstag = Touareg". Apropos Weihnachten: "Zwischen den Jahren", wie man in Hamburg sagt, zwischen den Jahren war also das Wetter hier schauderhaft. Kalt, windig, nass. Schnee, Eisregen, Blitzeis. Ein herrliches Wetter für Touareg-Fahrer.

Macht gar nichts, wenn man den abschüssigen Fußweg von der Haustür zum Carport im Rutschen zurücklegt. Kaum ist man nahe genug an den Touareg gerutscht und hält sich am Türgriff fest, begrüßt einen das Auto mit einem freundlichen Knacken. Vorausgesetzt, man hat den Schlüssel in der Tasche. Dieser ist mit einem Transponder ausgestattet und das Auto mit einem Keyless Access-System: Weder zum Aufsperren der Tür noch zum Starten des Motors muss man in der Kälte nach dem Schlüssel fingern. Man schwingt sich auf den Komfortsitz, tritt auf die Bremse (6-Stufen-Automatik-Tiptronic-Schaltung!) und drückt auf einen Knopf in der Mittelkonsole. Und irgendwo, ganz weit weg, beginnt ein Motor zu schnurren.

So ungefähr muss sich ein Pilot einer kleinen, lauten Cessna fühlen, wenn er das erste Mal die Triebwerke eines Airbus anlässt. Nur dass der Pilot bei diesem Wetter als Nächstes den Enteisungsdienst bestellen muss, während der Touareg-Tester sich auf die beheizbaren Scheibenwaschdüsen verlassen kann, die bewundernden Blicke der Nachbarn genießen, den Schaltknauf in die Stellung "D" bringen und langsam aus dem Carport rollen. Hinaus auf die glitzernde Eisbahn, hinaus ins Leben, vor dem der Verkehrsfunk seit Stunden warnt, hinaus ins Abenteuer. Um es gleich zu sagen: Es ist alles gut gegangen. Einmal hat sich beim Bremsen das Antiblockiersystem bemerkbar gemacht: "t-t-t-t-t" und … stopp!

Haarscharf an der Haltelinie vor der roten Ampel kam der Wagen zu stehen, obwohl die Straße glänzte wie die Eisschnelllaufbahn von Inzell. Sonst: nichts. Nur ein Gleiten durch menschenleere Straßen, behaglich dank "2-Zonen-Climatronic" mit sieben Stellmotoren und acht Temperaturfühlern, fast lautlos durch den "akustisch abgeschirmten Innenraum" und die "Motorraum-Kapselung".