Antonio Porchia: Voces abandonadas/ Verlassene Stimmen

zweisprachige

Ausgabe, aus dem Spanischen von Juana und Tobias Burghardt

Tropen Verlag, Köln 2002

133 S., 15,80 e

Wird's nicht einfach haben in unseren Buchläden, dieser Band: die deutsche Übersetzung des zweiten Teils von Porchias Lebenswerk Stimmen (der erste erschien 1999 und wurde auf dieser Seite bereits in der ZEIT Nr. 33/00 verzweifelt bepriesen). Denn was ist das nun? Lyrik? Philosophie? Kunst des Aphorismus? Wo ordnet man das ein? Vielleicht unter: Denkbilder. Oder Kippfiguren: "Der Ernst ist ein Merkmal der Kindheit, das in manchen Menschen fortbesteht." Evidenzblitze: "Es gibt keinen Schmerz, der nicht riefe."

Paradoxe. Helle Mystik: "Die Liebe wird aus zwei Lieben geboren und stirbt in einer." Ordnen Sie es unter Weltliteratur ein, lieber Buchhändler. Unter Kanon. Unter: unbedingt! Denn die vielen hundert ein- bis zehnzeiligen Texte, die Porchia Stimmen nannte, sind ganz einfach große Literatur, und wer will, kann in ihnen Wege zu Laotse und Wittgenstein finden, zu Kafka und Novalis und Pascal. Geboren 1886 in Italien, hat Porchia fast sein ganzes Leben in Buenos Aires verbracht, wo er 1968 auch gestorben ist. Ein kleiner Angestellter, dessen Schreiberei niemanden sonderlich interessierte, bis Europa, bis Paris ihn entdeckte. Juana und Tobias Burghardt haben Antonio Porchia jetzt der deutschen Sprache anvertraut - hoffen wir nur, dass seine Leser ihn finden!