Begriffe wie "Mensch an Gottes Stelle" und "Mensch als Schöpfer seiner selbst" erscheinen mir nicht hilfreich für die Debatte, weil sie sich einem rationalen Diskurs entziehen. Gene als "Ursprung des Lebens" zu bezeichnen missversteht sie als Anfang einer Kausalkette im Sinne mechanischer Stellschrauben. Dies ist eine naive Vorstellung sowohl der Gentechniker wie auch vieler ihrer Kritiker. Die Konsequenz dieser Fehleinschätzung wird eine schwache Abwehr der Gentechnik und eine unendliche Serie von Misserfolgen dieser Techniken sein.

Reinhart Schultz Unterhaching

Offenbar ist der Autor der Meinung, dass eine Eizelle unmittelbar nach der Befruchtung oder kurz danach bereits ein Mensch, ein Individuum ist, denn nur dann macht das Wort "töten" hier Sinn. Dieser Standpunkt ist allerdings nicht Common Sense, denn wie sonst könnte es sein, dass Brüstles Stammzellen ausgerechnet aus dem Entstehungsland des Christentums kommen? Bekanntermaßen definiert der Talmud den Zeitpunkt der Menschwerdung anders als die christlichen Religionen. Auch sehen etwas mehr als eine Milliarde Chinesen diese Dinge anders, geklonte Menschen sind nichts Neues (eineiige Zwillinge).

Herr Jessen spricht einige Male von der Gentechnik und der Gendebatte. Ein klonierter Mensch oder eine embryonale Stammzelllinie ist jedoch kein gentechnisch veränderter Organismus. Demzufolge handelt es sich nicht um Gentechnik. Nur weil der Mensch einen Zellkern in eine leere Eihülle schiebt, macht er sich wohl kaum zum Schöpfer seiner selbst. Da trauen Sie Gott wohl zu wenig und dem Menschen zu viel zu.

Dr. Jörg Klug Marburg-Michelbach