Stimmt das, was da immer mal wieder in der Tagespresse zu lesen ist - dass fußballgroße gefrorene Fäkalklumpen aus Flugzeugtoiletten auf die Dächer von Häusern fallen? Gibt es überhaupt Flugzeuge mit entsprechenden "Abwurfeinrichtungen"?

Dieter Lanz, Mainz

Zur Ehrenrettung der Fluggesellschaften und ihrer Piloten muss man zunächst klarstellen: Die "Abwurfeinrichtungen" gibt es nicht. Flugzeugtoiletten sind geschlossene Systeme, die Fäkalien werden in einem Tank gesammelt und am Boden durch ein Ventil entsorgt, das nur von außen zugänglich ist. Also kein Vergleich mit der immer noch praktizierten Schweinerei etwa der Deutschen Bahn.

Die unappetitlichen Eisklumpen gibt es aber trotzdem. International ist das Phänomen unter dem Namen blue ice bekannt - nach der typischen blauen Färbung, die von chemischen Zusätzen des Spülwassers herrührt. Das Auslassventil des Toilettentanks kann nämlich undicht sein, etwa weil es beim letzten Service nicht richtig verschlossen wurde oder sich ein Fremdkörper darin festgesetzt hat (die Lufthansa erwähnt ausdrücklich Teebeutel). Dann tritt die Flüssigkeit aus diesem Leck aus und gefriert sofort zu Eis. Der Klumpen wächst, und irgendwann fällt er zu Boden. Dabei durchschlägt er auch schon einmal ein Hausdach.

Sehr häufig sind diese Vorfälle nicht - in den USA wird etwa einer pro Jahr bekannt. Der ehemalige Sprecher der amerikanischen Luftfahrtbehörde, Jerome Doolittle, hat einmal im Scherz vorgeschlagen, dem Desinfektionsmittel statt des Einheitsblaus eine für die jeweilige Fluggesellschaft charakteristische Farbe zu geben. Dann wäre der Schuldige leichter zu ermitteln. Und die Airlines würden vielleicht die Dichtigkeit der Kloventile sorgfältiger überwachen.

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