Der Internet-Visionär Steve Case ist abgetreten, sein Posten als Chairman von AOL Time Warner, dem größten Medienkonzern der Welt, für einige Tage verwaist. Dem Manager wurde angelastet, dass er die versprochenen Wachstumsraten durch Geschäfte im Internet nicht erreicht hat. Vordergründig übernehmen nun wieder die Traditionalisten die Macht im Konzern, angeführt von Ted Turner, Großaktionär und Gründer des Nachrichtenkanals CNN, und John Malone, der sich vor allem auf das Geschäft mit TV-Kabelnetzen versteht.

Der Personalwechsel ändert aber nichts an der Bedeutung des Internets für den Medienkonzern und die Branche insgesamt: Werbeagenturen sehen voraus, dass das totgesagte Medium innerhalb der nächsten drei Jahre zum zweitgrößten Werbeträger nach dem Fernsehen aufsteigt. Nicht mit traditionellen Banner-Anzeigen, sondern mit einer intelligenten Analyse des Surfverhaltens und darauf abgestimmten Angeboten. Dafür aber hat sich der von Case mitgegründete Internet-Dienst AOL als größter der Welt mit 35 Millionen Abonnenten bestens positioniert.

Der Fehler von Steve Case war es, dass er an eine allumfassende Medien-Revolution durch das Internet glaubte. Deshalb wirkt die weitreichende Medien-Evolution, die tatsächlich stattfindet, vergleichsweise unbedeutend.

Aber der Pionier wird die künftige Entwicklung in einer beneidenswerten Position begleiten können: Der steinreiche 44-Jährige behält ein Büro bei AOL, einen Platz im Vorstand und die stellvertretende Leitung im "Strategie-Komitee".