Was waren wir erschrocken, als wir dieser Tage Gerhard Schröders Lieblingszeitung aufschlugen: Das soll die Mutter aller Menschen sein?

Französische Forscher haben aus einem 3,2 Millionen Jahre alten Skelett die Urfrau rekonstruiert, dem Bibelleser bekannt als Eva aus dem Paradies. Das Ergebnis ist ein Schlag für jene, die sich Eva bislang so vorgestellt hatten wie Cosma Shiva Hagen im neuen Playboy. Man mag sagen, das sei nicht weiter schlimm

schließlich war auch Adam ein Australopithecus afarensis. Was uns jedoch in eine Sinnkrise stürzt, ist Genesis 1,27: "Gott schuf also den Menschen als sein Abbild

als Abbild Gottes schuf er ihn." So sieht Gott aus?

Ein Meter zehn, Hängebrüste - und am ganzen Körper behaart? Der hat die Welt erschaffen? Ihn sollen wir anbeten, seine Gebote befolgen, ihn Vater nennen?

Erst jetzt verstehen wir, warum Gott den Menschen verboten hat, sich ein Bildnis von ihm zu machen: Weil er entgegen allen Klischees kein würdiger alter Herr mit weißem Wallehaar und Rauschebart ist. Es gruselte ihn, wenn er sich Kirchen mit barocken Affenmenschen-Darstellungen vorstellte! Nun begreifen wir auch, warum die SED-Bonzen die Banane aus dem Arbeiterund-Bauern-Staat verbannt hatten: weil sie im Gegensatz zu uns ahnten, dass sie ein christliches Symbol ist. Jetzt, da wir wissen, dass Gott nur ein kleines behaartes Wesen ist, sind wir froh, dass der Bundeskanzler beim Amtseid die religiöse Formel weggelassen hat. Seit Hobbes ist die moderne Politik säkular und bartlos. Kein Politiker soll mehr Abbild Gottes sein - selbst Rudolf Scharping musste das eines Tages begreifen und sich des Gesichtshaars entledigen. Jürgen Trittin hat es ihm mit der Entfernung seines Schnäuzers gleich getan. Dass unser Gottesbild ausgerechnet im Jahr der Bibel so erschüttert wird, ist schlimm. Damit nicht genug, wirft die neue Erkenntnis weitere exegetische Probleme auf: Sah auch Jesus, Gottes Sohn, wie ein Australopithecus aus? Müssen die Bayern ihre Kruzifixe neu gestalten?

Haben die erst vor wenigen Tagen abgebauten Krippen ein falsches Bild vermittelt? Susan Stahnke, von den Hollywood-Bossen so herzlich empfangen wie Maria von den Herbergsvätern in Bethlehem, hat jüngst erfahren, dass ihr Vater gar nicht ihr Vater sei, und sucht ihren wirklichen Erzeuger nun via Bild. Gemeldet hat sich ein älterer Herr aus München. Frau Stahnke hat mit ihm telefoniert und danach verkündet: "Ich wünschte, er wäre es, denn er klang wahnsinnig nett." Was den Vater im Himmel angeht, möchten wir gern in das Stadium solcher Ungewissheit zurückfallen. Oder Bild bitten, uns einen neuen Gott zu suchen.