Schefflers Welt: Schon auf der ersten Doppelseite sind wir in Schefflers Welt. Sehen ein petitliches Städtchen, halb Märchen, halb Miltenberg (oder Quedlinburg), in dem Menschen und Riesen, Hasen, Mäuse, Katzen und Zwerge und natürlich auch die bekannten Schefflerschen Eichhörnchen auf das Stillvergnügteste, Stillverwundertste, kurz auf das Schefflerischste zusammenleben. Mitten über die Hauptstraße - und schon sind wir auch mitten in Julia Donaldsons Geschichte - tappt, schlecht gekleidet, der Riese Rick: ",Ich wünschte, ich wär', seufzt er, ,nicht der schäbigste Riese der Stadt.'"

Da entdeckt er den kleinen Herrenausstatter am Ende der Straße. Weg mit dem alten Zeug, dem vergilbten Baselümpchen, den schiefen Schluffen! Zwei Seiten später sehen wir ihn in Krawatte und Hochglanzschuhwerk: schick wie ein RCDS-Student der Betriebswirtschaft auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Doch Seltsames geschieht. Erst schenkt Riese Rick die Krawatte der Giraffe (ihr sei so kalt am Hals), dann der Ziege das Hemd als Segel für ihren Kahn, dann einen Schuh der Familie Maus, deren Haus just in Flammen aufging ... und so ist er bald all seine Schätze wieder los.

Bis er zuletzt in Unterwäsche dasteht beziehungsweise -sitzt, just vor der Herrenboutique, in der alles begann

doch die hat jetzt leider geschlossen.

Da fällt sein trauriger Blick auf den Müllsack vor dem Laden - und was findet er darin? Etwas, das ihm ganz bestimmt gut passt, so viel sei hier schon verraten.

Was braucht der Mensch, wenn er ein Riese ist? Ein Riese des Herzens? Der Solidarität? Nichts. Oder nicht viel. Schickes kann auch nützlich sein. Und Stil ist sowieso das Gegenteil von Mode.

Julia Donaldsons Geschichte hat das Zeug zum Klassiker. Es ist eine Geschichte, die den Leser und Kucker nicht läutert, sondern moralisch sanft verzaubert. Vor allem aber ist es eine Geschichte, die Axel Schefflers Welt, wie wir sie lieben, zum Schnurren und zum Surren bringt.