Noch nie in der Geschichte des Kraftverkehrs soll Autofahren so sicher gewesen sein wie heute. Doch dieser Allgemeinplatz trifft nur für einen kleinen Teil der Welt zu. In den "niedrig motorisierten" Gebieten Afrika, Lateinamerika und Asien (ohne Japan) fährt zwar nur ein Drittel aller Autos.

Aber dort sind 89 Prozent der Verkehrstoten zu beklagen.

Solch globale Daten sind gar nicht so leicht zu ermitteln. Vor zwei Jahren versuchte eine Studie im Auftrag der Weltbank, die Zahl aller Verkehrstoten im Jahr 1999 zu erfassen. Die Verkehrswissenschaftler Goff Jacobs, Amy Aeron-Thomas und Angela Astrop sammelten alle verfügbaren Daten und versuchten, die gigantische Dunkelziffer zu erhellen. Das Ergebnis war erschreckend: Bis zu 850 000 Tote und 35 Millionen Verletzte fordert der Straßenverkehr pro Jahr. Der Sachschaden liegt bei 500 Milliarden Dollar, Tendenz stark steigend.

Zwei "Titanics" täglich

Inzwischen geht Jacobs von 900 000 Todesopfern jährlich aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt in ihrem neuesten Bericht gar 1,26 Millionen Tote für das Jahr 2000. Man darf also annehmen, dass zurzeit jährlich mindestens eine Million Menschen totgefahren werden. Das sind pro Tag acht voll besetzte Jumbojets, 28-mal das Eisenbahnunglück von Eschede oder fast zweimal die Titanic. Solch enorme Opferraten im Bahn-, Flugzeug- oder Schiffsverkehr würden Aufschreie in den Medien und eine sofortige Stilllegung hervorrufen. Die Straßenverkehrsopfer hingegen sind vergessene Tote, die meist unbemerkt von der Weltöffentlichkeit sterben. Davon sind 250 000 Kinder

der Anteil der niedrig motorisierten Länder beträgt hier sogar 96 Prozent.

Einig sind sich alle Forscher, dass die Unfallzahlen weiter steigen werden.