Die Abwehr eines terroristischen Angriffs aus der Luft - kein Problem, alles bereits bis ins Effeff geregelt? Muss die Polizei, allein zuständig für die Gefahrenabwehr im Innern, aber nur mit Hubschraubern ausgerüstet, also bloß zum Telefon greifen, den Verteidigungsminister um Amtshilfe bitten - und schon steigen die Abfangjäger auf? Zu einfach, um wahr zu sein. Grundsätzlich gilt: Die Bundeswehr darf nur bei einer Naturkatastrophe oder einem schweren Unglücksfall zu Hilfe eilen, also bei einem Ereignis, das schon eingetreten ist. So will es Grundgesetzartikel 35, jedenfalls seinem Wortlaut nach.

Zudem: Als die Verfassunggeber über Amtshilfe diskutierten, dachten sie allenfalls an Sandsäcke schleppende oder Chemiebrände löschende Soldaten, niemals jedoch an den Abschuss eines gefährlichen Flugzeugs. Der wäre ja auch ein bewaffneter Einsatz, und für den müsste es - wie beim "finalen Rettungsschuss" der Polizei - eine genaue Ermächtigung im Gesetz geben. Denn der eherne Grundsatz verlangt: Je schwerwiegender der Eingriff, desto exakter muss seine Rechtsgrundlage sein. Was aber wiegt schwerer, als eine Flugzeugcrew samt Passagieren in den Tod zu schicken - selbst wenn dadurch vielleicht Schlimmeres verhütet wird? Artikel 35 deckt diesen folgenschweren Befehl nicht. Deshalb gilt: Gerade wer an dem wichtigen Prinzip festhalten möchte, dass die Armee der Polizei nur ganz ausnahmsweise beistehen darf, muss diese Ausnahme peinlich genau festschreiben - mit einer Änderung des Grundgesetzes.