Es ist doch immer wieder schön, von einer Liebesheirat zu hören. Gute Nachrichten in diesen Dingen kommen aus Wien: Eine Studie an der dortigen Universität ergab, dass Manager mit ihrem Job nicht nur verheiratet sind - sie sind auch geradezu in ihn verliebt. "Erotisierung des Arbeitsplatzes" nennen die Wissenschaftler Helmut Kasper, Peter Scheer und Angelika Schmidt dieses Phänomen, das sie in ihrem Buch Managen und Lieben beschreiben: Der große Zeitaufwand für den Job, die wachsende Verantwortung und die Intensität der Arbeit führten dazu, dass Manager ihren Beruf mit Gefühlen besetzen und er ihnen emotionale Befriedigung vermittele. So schön, wie diese berufliche Liebesheirat scheint, ist sie aber auch wieder nicht, erfährt der Leser. Denn gleichzeitig versachlichten viele Manager ihre Familie und betrachteten sie als "reinen Service- und Kinderaufzuchtsbetrieb". In ihrer mehrjährigen Studie untersuchten die Autoren, wie männliche und weibliche Führungskräfte die Doppelbelastung durch Job und Familie managen. Es kristallisierten sich drei grundlegende Typen von Managern heraus: "Pseudoharmonische", "Karrieretypen" und "Zerrissene". Trotz des wissenschaftlichen Hintergrundes ist die Lektüre keineswegs trocken, in anonymisierter Form kommen Führungskräfte immer wieder selbst zu Wort. Manager werden das Buch dennoch nicht gern lesen. Denn es gibt ihnen nicht nur Anregungen, wie sie ihre Lage verbessern können: Es entlarvt auch wohlweislich verborgene Handlungsmotive.

Und wer hinterfragt schon gern einen Bund fürs Leben?

Helmut Kasper/Peter J. Scheer/Angelika Schmidt:

Managen und Lieben

Führungskräfte im Spannungsfeld zwischen Beruf und Privatleben

Redline Wirtschaft bei Ueberreuter, Frankfurt/Wien 2002

240 S., 24,95 e