Es wundert mich ein wenig, dass eine grundschlechte Übersetzung eines englischen Idioms Anlass zu einer fast philosophischen Betrachtung gibt. "Not really" bedeutet "eigentlich nicht" - eine Phrase, die unserem deutschen Sprachgebrauch absolut nicht fremd ist, die wir dann anwenden, wenn wir einer - auch nur angedeuteten - Erwartung widersprechen. "War das Buch interessant?" - "Eigentlich nicht" (= hätte mir mehr davon erwartet) - "Not really".

Übertragungsfehler dieser Art finden sich bedauerlicherweise mehr als genug: relativ harmlos "not necessarily" - "nicht notwendigerweise" (statt "nicht unbedingt"), "keep your fingers crossed" - "kreuz deine Finger" (statt "halt mir die Daumen") und ganz, ganz furchtbar die falsche Übersetzung des Slang-Ausdrucks "tart" für ein weibliches Wesen (= Flittchen und dergleichen) mit "Torte!!" (zum Beispiel in den Untertiteln des Filmes Ganz oder gar nicht).

Dass es "modische" Redewendungen gibt, die hirnlos angewandt werden, beweist auch die "in etwa"-Seuche, die seit mehreren Jahren grassiert. Weshalb sollte es da nicht auch die "nicht wirklich"-Epidemie geben?

Gertraud Brandenburg Linz/Österreich