Bahnfahren ist schön. Man muss sich nicht hinter dem Steuer über verstopfte Straßen quälen, im Nacken todessüchtige Überholer, vor sich stets stockenden Verkehr und jede Menge potenzieller Unfallgegner. Bahnfahren spart Zeit. Man kann, obwohl man sich seinem Ziel nähert, entspannen, schlafen, arbeiten oder (leider nicht mehr lange) in den Speisewagen gehen. Bahnfahren fasziniert. Warum sonst spielen so viele Krimis und Thriller in Zügen, warum sonst lieben Diktatoren Sonderzüge mit dicken Teppichen, warum sonst kleben erwachsene Männer mit leuchtenden Augen kleine Plastikhäuschen zusammen, um sie andächtig auf die große Platte im Wohnzimmer zu stellen, auf der ein kleiner Spielzeugzug herumkurvt?

Doch Bahnfahren ist nicht immer und für alle ein Vergnügen. Da gab es einen Aufschrei der Empörung angesichts des neuen Preissystems, wobei über die Faktenlage noch gestritten wird. Stiftung Warentest und der Fahrgastverband Pro Bahn klagten bitterlich und im Grunde genommen darüber, dass sich die Deutsche Bahn AG nun allen Ernstes wie ein Unternehmen benehme, das auf Gewinn aus sei und zudem Kunden schlecht berate. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn warf den Kritikern realitätsfremde und einseitige Beispiele für ihre Klagen vor sowie Miesmacherei, Manipulation und Profilierungssucht. Er will den Verband der bekennenden Bahnfreunde wegen geschäftsschädigender Äußerungen verklagen.

Kurz darauf kam, wie jedes Jahr überraschend, der Winter. In Norddeutschland legten an Weihnachten eisbedeckte Oberleitungen und Gleise und umgestürzte Bäume teilweise überfüllte Züge lahm. Manche Bahnreisende blieben die ganze Nacht auf der Strecke. Es gab Beschwerden über schlechte Versorgung und schlechten Service. Und auf Fragen habe es immer wieder geheißen: Das weiß ich leider auch nicht. Auch hier verteidigte sich die Bahn vehement.

Und dann war da noch der Zugbegleiter eines ICE, der spektakulär unter Beweis stellte, dass manche Bahnmitarbeiter eben doch mehr wissen. Nachdem sein Zug am 5. Januar vor Frankfurt am Main gestoppt worden war, erzählte der Mann angeblich über Lautsprecher, es seien vier Flugzeuge entführt worden, offenbar von Taliban, die damit drohten, sich auf den Bahnhof zu stürzen.

Zuginsassen berichten, die heftige Unruhe unter den Fahrgästen habe erst nachgelassen, nachdem Handybesitzer in Erfahrung gebracht hatten, dass in Wirklichkeit ein Student in einem gekaperten Motorsegler in der Luft kreiste.

Wie alle extremen Geschichten zeigen auch diese nur einen kleinen Teil der Realität. Die besteht darin, dass die Deutsche Bahn nun in etwa dasselbe Konzept verfolgt wie die Fluglinien: Am meisten spart, wer sein Ticket lange vorher kauft. Wer dazu nicht in der Lage ist oder beispielsweise einen Zug verpasst, zahlt deutlich mehr. Und wer sich das nicht leisten kann oder will, muss zu Hause bleiben oder wieder Auto fahren. Denn die Bahn AG ist eine eigentümliche Firma. Eine Firma ohne ernsthafte Konkurrenz, eine Firma, die vom Staat hohe Subventionen bekommt und deren Aktien komplett in Staatsbesitz sind. Die Bahn ist keine normale Firma, möchte aber eine sein. Und als solche will sie sicherlich wissen, was ihre Kunden denken.

Dazu wollen wir beitragen: Wie sieht es bei der Bahn wirklich aus? Inzwischen sind die hektischen Tage seiner Einführung vergangen, und trotzdem polarisiert das neue Preissystem Anhänger und Gegner. Und nicht nur das neue Preissystem. Wir möchten Sie um Geschichten bitten, um positive und negative.