Alle Jahre wieder fällt der Winter unvermutet über das arglose Russland her. Die Bilanzen erloschener Heizwerke und erfrorener Moskauer gehören alljährlich zur makabren Väterchen-Frost-Folklore. In diesem Winter hat sich die Kälte mit Rekordtemperaturen von minus 40 Grad meuchlings über die Feiertage in den russischen Norden eingeschlichen. Bei so viel Heimtücke platzten viele der sowjetisch-antiken Fernwärmerohre. Mancherorts brachten zudem die Mitarbeiter des Kraftwerks während der Silvesterfeier durch eine versehentliche Stromabschaltung das System eigenhändig zum Erliegen.

Die Not der fast 30 000 Menschen in ihren ungeheizten Wohnungen ließ die örtlichen Verwaltungschefs oft tagelang kalt. Doch nun scheint Hilfe nah, denn im Kreml beklagte der heiß geliebte Präsident Putin vor seinem Kabinett, dass vielen Russen die Festtagsstimmung verdorben worden sei. In Filzstiefeln und drei Mänteln kam vor den erkalteten Heizungsrippen nicht die rechte Besinnlichkeit auf.

Die Regierung soll es richten, und sie hat zur Rettung eine Krisenkommission aufzubieten. Die Vertreter des Ministeriums für Notfallsituationen, des föderalen Hausverwaltungsamtes und der Energieversorgungsbehörden touren solidarisch durch die Notstandsgebiete und reden sich mit gegenseitigen Beschuldigungen den Mund warm. In den vereisten Wohnungen sinkt indes die gefühlte Temperatur weiter. Wenigstens die Hoffnung auf den Frühling stirbt zuletzt.