Eigentlich ist die Sache klar. Am 9.Juli dieses Jahres wird Wim Duisenberg, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), 68 Jahre alt.

Dann will er seinen Platz Jean-Claude Trichet überlassen. Der 60-jährige Gouverneur der Banque de France ist der Kandidat der Pariser Regierung, wird von der Bundesregierung unterstützt und würde in ganz Euroland als oberster Hüter des Euro akzeptiert. Hart in der Sache, aber stets verbindlich im Ton, stabilitätsbewusst und durchsetzungsfähig, gebildet und gewandt - ein besserer Kandidat lässt sich schwer finden.

Aber da ist das Verfahren in Sachen Crédit Lyonnais. Der Angeklagte Trichet ist dabei gewissermaßen in bester Gesellschaft. Unter den neun Angeklagten sind zum Beispiel Jacques de Larosière, ehemals Notenbankgouverneur und Chef des Internationalen Währungsfonds, und Jean-Yves Haberer, von 1988 bis 1993 Generaldirektor der damals staatlichen Großbank Crédit Lyonnais. Haberers Expansionsdrang ist es zu verdanken, dass das einstige Juwel der Pariser Finanzwelt mit 15 Milliarden Euro aus dem Staatssäckel gerettet werden musste.

Vor Gericht geht es um den Verlust der Bank im Jahr 1992 (281,7 Millionen Euro), der angeblich zu niedrig ausgewiesen wurde. Die Anklage unterstellt eine Manipulation von Rückstellungen. Der Anteil Trichets: Er soll als Chef des staatlichen Schatzamtes der zweifelhaften Bewertung und damit einer Bilanzfälschung zugestimmt haben.

Das Verfahren vor der 17. Pariser Strafkammer soll bis zum 12. Februar abgeschlossen sein. Lässt die Justiz die Vorwürfe gegen Trichet fallen und legt der Staatsanwalt keinen Widerspruch ein, wird für Trichet der Weg an die Spitze der EZB frei. Für den Fall, dass sich das Gericht viel Zeit lässt, ist Duisenberg bereit, ein "kleines bisschen länger" im Amt zu bleiben, um seinen Stuhl für Trichet freizuhalten. Wird Trichet jedoch verurteilt, rückt der Chefposten bei der EZB für ihn in unerreichbare Ferne.