Probleme mit seinem Image sind Sean Combs alias P Diddy vertraut. Zwar hat der Rapper und Platten-Mogul seinen alten Nom de Guerre Puff Daddy, unter dem er bekannt wurde, leicht abgewandelt er finanziert karitative Einrichtungen und wirft sich in die politische Arena, um "die Interessen der urbanen, von der Politik diskriminierten Jugendlichen zu vertreten".

Der amerikanischen Presse allerdings ist es ein Leichtes, an die dunklen Kapitel seiner Geschichte zu erinnern: an die tödliche Fehde zwischen Diddys Schützling Notorious B.I.G. und dessen Gegenspieler Tupac Shakur vor sechs Jahren, an alte Gerichtsverhandlungen wegen unerlaubten Waffen- und Marihuanabesitzes, Körperverletzung und Ähnliches mehr.

Dabei hat Mr. Combs lediglich angekündigt, er wolle im Jahr 2004 erster schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten werden. Sein politisches Kapital besteht neben diversen Platten-, Film- und Modefirmen vor allem in einem dutzend Welthits. Vor allem aber hat er die Generation HipHop im Rücken, eine kaum erschlossene Wählerschicht, deren Sprache P Diddy spricht. Sollte seine Ankündigung mehr als ein Werbegag sein, nimmt HipHop die letzte Hürde auf seinem "Marsch durch die Institutionen".

Seit 30 Jahren nun unterwandert die gebürtige Gossenkultur den Mainstream.

HipHop verfügt heute nicht nur über eigene Plattenlabels, Filmkompanien, Radio- und Fernsehsender. Inzwischen leben ganze Bekleidungs- und Getränkeindustrien von der kopfnickenden Klientel. Die Mächtigen müssen wohl oder übel zuhören, schließlich schlurfen auch ihre eigenen Kinder mit ausgebeulten Baggy Pants, verdrehten Baseball-Käppis und schnürsenkellosen Sneakers in die Schule. Letztes ungeschriebenes Kapitel im Buche HipHop: die staatstragende Politik. Anders als Goldketten und Platinringe wollte sie bislang partout nicht zum Rebellen-Mythos des Rap passen.

Russell Simmons, Musikmagnat und einer der Väter des Genres, hat den Paradigmenwechsel gründlich vorbereitet. Sein HipHop Summit Action Network, kurz HSAN, will Amerikas außerparlamentarische Opposition in institutionelle Kanäle bündeln. Inzwischen rufen Rapstars auf ihren Konzerten dazu auf, sich vor Ort als Wähler registrieren zu lassen, geben Plattenbosse Wahlempfehlungen ab, löst der Button Rap The Vote die alten Malcolm-X-Hüte ab. Kein Zweifel: HipHop ist erwachsen geworden, seine Repräsentanten entdecken die Masse der Anhänger als gewichtigen Wählerblock.

"Wir haben als Kultur viel für unsere Selbstermächtigung getan, angefangen von der Kleidung bis zur Gründung eigener Unternehmen, aber wir haben bisher unsere politische Stimme vernachlässigt", so Simmons Mitstreiter, der Präsident des Def-Jam-Plattenlabels Kevin Liles. "Täglich bringen wir die Kids dazu, in einen Laden zu gehen und eine CD zu kaufen. Lasst uns den Konsumenten-Dollar zur politischen Kraft verwandeln. Wer eine Platte kaufen kann, der kann auch jemanden in ein Amt wählen und ihn für seine Politik verantwortlich machen."