Spinnen haben einen miserablen Ruf. Mindestens 70 Prozent der Menschen finden sie eklig. Psychologen vermuten, dass diese Abscheu tief in unserem Nervensystem wurzelt. Die Amygdala, ein uralter Teil des Wirbeltierhirns, überwacht ständig den Strom der Sinnesreize, um beim Erblicken von Spinnenkonturen sofort Alarm zu schlagen: Stresshormone werden ausgeschüttet, das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich. Die traurige Folge: Ungezählte harmlose Krabbeltiere enden im Staubsauger oder platt unter der Schuhsohle.

Es war deshalb Zeit für eine internationale Kampagne zur Spinnenförderung, klug abgestimmt zwischen der Arachnologischen Gesellschaft (der Organisation deutscher Spinnenforscher) und der US-Raumfahrtbehörde Nasa. In Berlin kührten die Spinnenforscher die Spinne des Jahres. 2003 steht nun ganz im Zeichen der Großen Zitterspinne. Die "Kosmopolitin unter den Spinnen" bewohne fast jedes Haus und Grundstück, sagen die Arachnologen und schwärmen von ihren "hauchzarten Gespinsten, den acht wunderschönen langen Beinen und ebenso vielen Augen".

Die Ehrung der Zitterspinne flankiert eine der spektakulärsten Forschungsmissionen, die Spinnen je mitgemacht haben. Die Crew einer am heutigen Donnerstag startenden US-Raumfähre umfasst acht der handwerklich hoch begabten Kugelspinnen, die gemeinsam mit ihren menschlichen Kollegen in der Schwerelosigkeit experimentieren werden. Auf kosmischen Fernreisen allerdings will die Nasa das Leben ihrer krabbelnden Astronauten nicht riskieren. Als Dummys lässt sie spider-bots entwickeln: Spinnenroboter, die zu Hunderten auf fremden Planeten einfallen sollen.

Wo die Nasa mit Bedacht vorangeht, wollen wir nicht nachstehen. Über die nächste Spinne in unserer Stube stülpen wir vorsichtig ein Glas, freuen uns am anmutigen Tänzeln der acht Beine und befördern den feingliedrigen Freund lebend in die Kälte.