Dieses Volk ist durch und durch verkommen, es interessiert sich für Klatsch und Sex. Aber Schröder hat leider den Oliver Kahn unter den Anwälten. Sobald du dich dem sexuellen Strafraum näherst, verklagt dich der Schröder-Anwalt in Grund und Boden. Wollen Sie hier was Scharfes über Schröder lesen? Dort, wo einst die Redaktion der ZEIT stand, werden dann Raben ihre Nester bauen und Fledermäuse ihre Jungen säugen.

Dabei sind die Gerüchte überhaupt erst durch einen Artikel in der ZEIT entstanden. Im August, in der Ausgabe 33/02, veröffentlichte dieses Blatt einen Text unter der Überschrift "Eine Affäre mit der Politik". Dieser Text befasst sich in scheinbar allgemeiner Weise mit Gerhard Schröder sowie mit Frankreich, dem Mutterland der Liebe. Das Fazit jenes Artikels lautete folgendermaßen: "Schön wär’s, es würde sich schon vor dem Wahltag klären… Eine Affäre mit der Politik – gäbe es die, dann könnte die Republik wenigstens nicht lustlos hineinrutschen in die nächste Runde." In England haben die Schmuddelzeitungen spezielle Suchmaschinen. Sobald irgendwo auf der Welt in einem Artikel der Name eines wichtigen Politikers sowie in der jeweiligen Landessprache die Wörter "Paris", "Affäre" und "Lust" vorkommen, setzen sie einen Sonderreporter an die Sache.

Die Liebe in den Zeiten des Dosenpfands – so könnte der Sittenroman über die Ära Schröder heißen. Denn beim Volk wird, nach heutigem Sachstand, das Dosenpfand als zentrales Reformprojekt unserer Ära in Erinnerung bleiben. Andere Pläne haben nicht oder nicht optimal geklappt, das Dosenpfand aber ist gekommen. Adenauer hat gegen härteste Widerstände die Wiederbewaffnung durchgesetzt, Brandt die Ostverträge, Kohl die Wiedervereinigung. Bei Gerhard Schröder ist es das Dosenpfand. In 50 Jahren werden die Leute sagen: "Schröder? War das nicht der mit dem Dosenpfand, den vielen Frauen und dem guten Anwalt?"

Nur eine Sache verstehe ich nicht. Wieso darf man den Namen von zwei Leuten, die laut beiderseitigen Beteuerungen keinen Sex miteinander hatten, nicht bringen, während jeden Tag drei Paare in der Zeitung stehen, die erklären, dass sie es wirklich tun? Diese Behauptung kann ja auch keiner überprüfen. Warum darf man in einer Zeitung sinngemäß schreiben: "Angelika Beer erklärte in der Bunten, sie liebe leidenschaftlich den General Wallenstein"? Aber man dürfte zum Beispiel nicht sagen: "Zwischen Angelika Beer und dem Hauptmann von Köpenick ist es laut beiderseitigen Angaben niemals zu Zärtlichkeiten gekommen."

Das ist eben die Liebe in den Zeiten des Dosenpfands: Ein Mann muss immer in einen bestimmten Getränkeshop, weil er nur dort seine Bierdosen abgeben darf. Ihm fällt eine geheimnisvolle Frau auf, die bergeweise Cola-light-Dosen abgibt. Eines Tages folgt er ihr heimlich. Die Frau, es ist die bekannte Moderatorin Madame de Rancune, geht in ein Hotel. Sie trifft dort den Bundeskanzler. Der Mann öffnet die Zimmertür und schaut unbemerkt in die Handtasche. Ein Ausweis. Aha, sie arbeitet für den US-Geheimdienst. Am nächsten Morgen hält Präsident Bush eine große Rede vor den UN. Er sagt, neben der "Achse des Bösen" sei nun auch die "Achse der Unzucht" entdeckt worden, welche sich von Berlin nach Paris erstrecke. Falls die Araber ihm bei der Beseitigung von Saddam Hussein behilflich seien, werde er sich zum Dank im Anschluss die "Achse der Unzucht" vornehmen. Großer Beifall.

So beginnt Die Liebe in den Zeiten des Dosenpfands .