Konstantin Wecker, 55, hat zusammen mit einer Friedensdelegation der Tübinger Gesellschaft Kultur des Friedens gerade eine Woche den Irak bereist, um für den Frieden mit dem Irak zu werben. Die Reise sei "kein Solidaritätsbesuch mit Saddam Hussein", betonte die Organisatorin Heike Hänsel. Auf dem Programm standen so keine Begegnungen mit Politikern, sondern Treffen mit irakischen Musikern, Besuche in Kultureinrichtungen und Kliniken. Im Gepäck hatte die Gruppe von Ärzten, Journalisten und Künstlern Gitarren und einen Koffer Spielzeug.

Herr Wecker, haben Sie im Irak deutsche Lieder für den Frieden gesungen?

Ja, ich bin einmal a cappella aufgetreten – weil da ja nicht überall Klaviere rumstehen – und ein anderes Mal mit Gitarre und irakischen Musikern. Viel wichtiger aber war es mir, mit dem Leid der Menschen mitzufühlen und zu spüren, wie aus Zahlen Menschen und aus Statistiken Gesichter werden.

Waren Sie überrascht?

Die Großzügigkeit der Menschen hat mich beschämt. In einem Land, in dem durch das Embargo Kinder an Krebs sterben, weil eins von vier Präparaten für die Chemotherapie fehlt; in dem das Trinkwasser verseucht wird, weil alle zwei Stunden der Strom und damit die Pumpen ausfallen, durfte ich nicht mal drei Brötchen beim Bäcker bezahlen. Stellen Sie sich das doch mal umgekehrt bei uns vor. Es ist pervers, wie unerbittlich wir in unserer Ellenbogengesellschaft denen gegenüber sind, die weniger haben.