In allem Sprachlichen, das sich auf Gott bezieht, sieht man Vokabular und Sprache im unstillbaren Streit. Die theologischen Vokabulare ziehen mich nur an, wenn ich Zeuge werde, dass sie einer ererbten Selbstzufriedenheit überdrüssig sind. Deshalb kam mir Karl Barth attraktiv vor. Nur Kierkegaard selber ist mir noch attraktiver vorgekommen. Die theologischen Sprachmenschen, die mit den Wörtlichkeiten, die sie für Gott vorfinden, nicht leben können: das sind die Auskunftsreichsten, wenn man die Spannung Vokabular und Sprache erleben will. Gott ist eben nach "Ich" unser wichtigstes Wort. Deshalb hat sich seinetwegen auch so viel Vokabular gebildet.

In Karl Barth kommt das exemplarisch zum Ausdruck. Außer Kierkegaard hat sich wohl keiner das religiöse Sprechen so schwer gemacht wie Karl Barth. Im Jahr 1956 schaut er zurück auf die frühen zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, als er polemisch radikal reagiert hatte auf die allzu sorglos gewordenen Vokabulare der "liberalen oder auch positiven Theologie". Diese Theologie habe weniger von Gott geredet als vom christlich frommen Menschen.

Und wie hat er 1922 auf dieses sorglos gewordene Theologenvokabular reagiert?

Dialektisch. Er wollte von "der Herrlichkeit Gottes in der Schöpfung nicht lange anders ... reden als ... unter stärkster Hervorhebung der gänzlichen Verborgenheit, in der sich Gott in der Natur für unsere Augen befindet".

Seine dialektische Theologie will, sagt er, "Zeugnis sein von der Wahrheit Gottes, die in der Mitte, jenseits von allem Ja und Nein steht. Und ebendarum habe er nie bejaht, ohne zu verneinen, nie verneint, ohne zu bejahen, weil das Eine wie das Andre nicht das Letzte ist."

Den bequemen Anthropozentrismus der liberalen Theologie verachtet er. Dreißig Jahre später gibt er klein bei oder groß bei. Jetzt ist Gott "Partner" des Menschen. Seine "Divinität" hat "als solche auch den Charakter von Humanität". Karl Barth hat an beidem teil, am Vokabular und an der Sprache.

Jetzt das Geständnis: Je negativer er zu bleiben vermag, desto mehr hat er Sprache je positiver er wird, desto deutlicher lebt er vom Vokabular.