Seine Figuren sind sich selbst ein Rätsel, und ihre Menschlichkeit, man könnte auch sagen Größe, besteht darin, dass sie die Vergeblichkeit eines jeden Lösungsversuches ahnen. Man schaut Maurice Pialats Helden dabei zu, wie sie sich an der Liebe und am Leben versuchen, scheitern, weiterlieben, weiterleben. So wie Sandrine Bonnaire, die ihre unbestimmte Sehnsucht in A nos amours mit unzähligen Männern auslebt und am Schluss ins Flugzeug, zu einer weiteren einsamen Affäre, steigt. Wir werden nicht zusammen alt heißt ein Pialat-Film von 1971, und damit ist eigentlich schon alles gesagt. In Pialats letztem, 1995 entstandenen Film Le Garçu spielt Pialats Lieblingsschauspieler Gérard Depardieu einen Mann, der die Mutter seines Sohnes liebt, aber nicht mit ihr leben kann. Einmal schenkt er dem Kleinen einen riesigen roten Spielzeuglaster und kurvt mit ihm minutenlang durch die Wohnung. Ein massiger Mann, übervoll mit Liebe und Lebensangst

eine typische schwebende Pialat-Szene, in der die ganze verdammte Unzulänglichkeit der Gefühle steckt. Vergangenen Samstag ist Maurice Pialat mit 77 Jahren in Paris gestorben.